Mein Name ist Rigan, und ich bin ein Bussard. Ein Mäusebussard, um genau zu sein. Ich lebe in einem Land der Hügel, Wiesen und Wälder, dort, wo der Wind die Geschichten der Welt trägt. Mein Zuhause ist hoch über den Dingen, in einem Nest aus Ästen und Moos in einer alten Buche. Von hier oben kann ich alles sehen: die raschelnden Gräser, den wogenden Wald und die kleinen und großen Tiere, die sich dort tummeln. Aber mein Lieblingsort ist der Himmel — weit, frei und voller Geheimnisse. Mit ausgebreiteten Schwingen spüre ich den Aufwind unter mir, der mich trägt, während die Sonne mein Gefieder wärmt. Doch meine Welt ist auch eine Welt voller Gefahren und Herausforderungen. Der Fuchs schleicht sich manchmal an den Stamm der Buche heran, und so muss ich immer wachsam sein. Aber ich soll Euch heute eine andere Geschichte erzählen — über das Unbekannte und die Geheimnisse, die in der Ferne liegen.
Es begann an einem klaren Herbsttag. Die Luft war frisch und ein wenig kühl, aber an meinem Lieblingsplatz auf der Thermik fühlte ich mich stark und vital. Da, ihr müsst wissen, sah ich etwas ganz Besonderes. Etwas, das ich vorher nie bemerkt hatte: eine Schar großer Vögel, größer als ich, in einer perfekten V-Formation. Ihre majestätischen Flügelschläge und die Art, wie sie methodisch nach Süden zogen, fesselten mich. „Kraniche“, pfiff Taro, ein Wandersänger unserer Gegend, der mit mir in der Luft kreuzte. „Sie reisen in ferne Länder. Dort, wo das Wasser selten friert.“ Ferne Länder? Der Gedanke ließ mein Herz schneller klopfen. Niemals war ich weiter gereist als eine Flugstrecke von ein paar Kilometern rund um mein Nest. Ich war neugierig, zugleich aber unsicher. War dort mehr, als ich mir vorstellen konnte?
Kurz darauf traf ich Eni, die kluge Schleiereule. Sie saß in der Nähe einer alten Scheune und beobachtete die Felder. „Ach, Rigan“, begann sie, nachdem ich ihr von den Kranichen erzählte, „wir alle haben Wege, die zu uns passen. Die Kraniche sehen die Welt aus ihrer Perspektive, wie du und ich es auch tun. Doch hast du jemals die Nähe deines eigenen Lebensraums wirklich verstanden?“ Sie deutete mit ihrem Schnabel auf eine Feldmaus, die flink zwischen den Herbstblättern huschte. „Alles, was du brauchst, ist hier, du hast nur noch nicht alles entdeckt.“ Ihre Worte blieben mir im Kopf, und ich beschloss, auf meiner nächsten Erkundung genauer hinzuschauen.
In den folgenden Wochen flog ich ausdauernd — über Wiesen, durch Wälder und entlang der Bäche. Und tatsächlich, ich sah Dinge, die ich zuvor übersehen hatte. Ein Reh hob seinen Kopf, um meine Flugbahn zu verfolgen, während ein Trupp Ameisen wacker ein Blatt zum Bau trug. Auch die Welt am Boden war voller Bewegung, voller Geschichten. Ich erlebte, wie die letzten Schwalben meines Heimatlandes gen Süden aufbrachen, folgte dem Nervenkitzel eines flinken Kaninchens, das gerade noch in seinem Bau verschwand, und spürte dabei jeden Windstoß, der mich trug. Die Kraniche jedoch sprachen weiterhin zu meiner Fantasie. Ich wollte eines Tages mehr verstehen.
Die Tage wurden kürzer, und der erste Schnee fiel. Ich schaute in den zunehmend leeren Himmel, wo die Vögel des Sommerlandes nun verschwunden waren. Da erinnerte ich mich an das, was die Eule gesagt hatte: „Neben dem Fernen liegt das Besondere im Nahen.“ Mein Lebensraum schien immer noch ein unendliches Rätsel, aber etwas in mir sagte, dass auch ich wie die Kraniche eines Tages dem Ruf der Ferne folgen könnte. Es bleibt ein Abenteuer, und was sind wir Bussarde anderes, als Geschichtensammler in der Luft? Mit der Sicherheit meines Zuhauses unter mir und dem ewigen Himmel über mir wartete ich geduldig, bis meine Schwingen wieder eine Entdeckung trugen.
| Name: | Bussard |
| Wissenschaftlicher Name: | Buteo buteo |
| Gewicht: | 0,7-1,5 kg |
| Maße: | 70-150 cm Spannweite |
| Lebensalter: | Bis zu 20 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Felder und Gebirgsregionen |
| Geschwindigkeit: | Geschätzte Fluggeschwindigkeit 60-80 km/h |
Der Bussard ist ein beeindruckender Greifvogel, der in vielen unterschiedlichen Lebensräumen vorkommt. Mit einer Spannweite von bis zu 150 cm gleitet er majestätisch durch den Himmel und nutzt die Thermik, um fast lautlos und hoch in der Luft nach Beute Ausschau zu halten. Er ist in Wäldern, offenen Feldern und auch in Gebirgsregionen zu finden, wo er geschickt zwischen Höhen und Tiefen wechselt. Kinder lernen so, dass auch Tiere ihre Umwelt optimal nutzen, um zu überleben. Bussarde haben ein scharfes Sehvermögen, das es ihnen ermöglicht, auch aus großer Entfernung kleine Nagetiere, Reptilien oder Insekten zu erkennen. Ihre kraftvollen Flügel und schnellen Sturzflüge machen sie zu wahren Meistern des Himmels. Wissenschaftler schätzen sie als Indikatoren für ein gesundes Ökosystem, denn sie spielen eine wichtige Rolle in der Regulierung der Populationen kleinerer Tiere.