Hallo, ich heiße Gwanas, und ich bin ein Gnu. Genauer gesagt, gehöre ich zur Familie der Streifengnus – mit meinen breiten Schultern, den geschwungenen Hörnern und meinem graubraunen, manchmal fast blauschimmernden Fell sehe ich ziemlich beeindruckend aus (sagen zumindest meine Freunde). Ich lebe mit meiner Herde in der ostafrikanischen Savanne, einer weiten Ebene mit Gras, Akazien und gelegentlichen Wasserlöchern. Es ist immer etwas los, weil wir nie lange an einem Ort bleiben – wir wandern ständig, um frisches Gras und Wasser zu finden. Doch heute begann mein Tag ganz anders als sonst. Heute war der Tag, an dem ich die Verantwortung tragen musste, mit der ich nie gerechnet hatte.
Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase, als wir durch das hohe Gras stolperten. Ich hatte gerade mein Frühstück beendet – ein saftiger Büschel grünes Gras, mein Lieblingsgericht. Plötzlich brach Chaos aus. Löwengebrüll! Mütter wiesen ihre Kinder an, schnell zur Herde zurückzulaufen, und die Leitkühe organisierten unsere Flucht. Doch ich war verwirrt, weil meine kleine Schwester Wanja nicht reagierte. Sie hatte so tief und friedlich geschlafen, dass sie nichts von dem Trubel mitbekam. Ohne nachzudenken, schob ich meinen Kopf unter ihren Bauch und stupste sie hoch. „Wanja, aufwachen! Wir müssen rennen!“ Meine Beine zitterten vor Anstrengung, aber schließlich war sie wach. Als der Löwe uns fixierte, wusste ich, dass ich schnell und mutig sein musste – nicht nur für mich, sondern auch für sie.
Der Löwe gab schließlich auf, als er ein größeres Tier der Herde erspähte, das weiter abseits lief, und wir sammelten uns in sicherem Abstand. Ich konnte wieder durchatmen. Doch etwas anderes bereitete mir Sorgen: Wir befanden uns plötzlich an der Spitze der Gruppe, und keine der Leitkühe war in Sichtweite. „Was jetzt?“, fragte Wanja flüsternd, ihre Augen vor Angst weit aufgerissen. Ich versuchte, ruhig zu bleiben, auch wenn ich innerlich nicht wusste, wie ich das schaffen sollte. Ich erinnerte mich, wie die Erwachsenen der Herde immer nach den Zeichen der Natur suchten – auf den Wind, die Richtung der Vögel, und sogar auf die entfernten Rufe anderer Tiere hörten, um zu wissen, wo Wasser war. Also beschloss ich, ihnen zu folgen. Ein leichter Wind wehte aus dem Osten, und ein Schwarm Zebras galoppierte in die gleiche Richtung. Ich fasste all meinen Mut zusammen und sagte: „Komm, Wanja. Wir finden den Weg!“
Nach einer schier endlosen Strecke voller Stolpern, Staubwolken und gelegentlichen Angriffen durch wilde Stechfliegen entdeckten wir endlich das Glitzern eines Wasserlochs am Horizont. Der Anblick weckte neue Energie in uns, und wir rannten, so schnell unsere Beine uns trugen. Es war ein friedlicher Ort: Giraffen tranken bedächtig, während Warzenschweine vergnügt im Dreck wühlten. Ich war erleichtert, dass wir sicher ankamen, aber als ich mich umsah, wurde mir klar, dass Wanja und ich noch immer allein waren. Unsere Herde war nirgendwo zu sehen. „Wir brauchen einen Plan,“ murmelte ich, doch meine kleinen Hörner hingen bereits verzweifelt herunter.
Dann hörten wir plötzlich ein lautes Trompeten. Es war ein Elefant! Sein massiger Körper schritt elegant auf uns zu, und seine große Stimme dröhnte: „Was treibt zwei so junge Gnus hier alleine herum?“ Kurz erzählte ich ihm unsere Geschichte. Er nickte verständnisvoll. „Die Herde kann nicht weit weg sein. Haltet euch an das Wasserloch, sie kommen immer zu den gleichen Stellen zurück.“ Er hatte Recht. Am nächsten Morgen, als die Sonne erneut aufging, sahen wir sie: unsere Herde, die in der Ferne auftauchte, deutlich sichtbar durch die Staubwolke, die sie aufwirbelten. Meine Mutter lief auf uns zu, Tränen der Erleichterung in den Augen, und ich wusste, dass ich meine Aufgabe erfüllt hatte. Ich hatte Verantwortung übernommen, als es darauf ankam, und das war ein gutes Gefühl.
Gnus sind echte Langstreckenläufer. Sie legen auf ihrer jährlichen Wanderung durch die ostafrikanische Savanne bis zu 1.000 Kilometer zurück – stets auf der Suche nach frischem Weideland und Wasser, das überleben sichert!
| Name: | Gnu |
| Wissenschaftlicher Name: | Connochaetes taurinus |
| Gewicht: | 120-250 kg |
| Maße: | 2-2.5 m Länge |
| Lebensalter: | Bis 20 Jahre |
| Lebensraum: | Savannen |
| Geschwindigkeit: | 80 km/h |
Das Gnu, auch als Streifengnu oder Weißbartgnu bekannt, ist ein großes, robustes Huftier, das in den Savannen und Graslandschaften Afrikas lebt. Es hat einen kräftigen Körper, lange Beine und ein markantes Gesicht mit gebogenem Hörnern. Das Fell ist dunkelgrau bis bräunlich, oft mit dunklen Streifen entlang der Flanken.
Gnus sind Pflanzenfresser und ernähren sich hauptsächlich von Gras. Sie sind bekannt für ihre ausgedehnten Wanderungen in riesigen Herden auf der Suche nach frischem Weideland und Wasser. Diese Wanderungen, oft als "Große Migration" bezeichnet, sind eines der beeindruckendsten Naturschauspiele der Welt und umfassen Tausende von Kilometern und Millionen von Tieren.
Gnus leben in großen Herden, die ihnen Schutz vor Raubtieren wie Löwen und Hyänen bieten. Innerhalb der Herde gibt es ein ausgeprägtes soziales Verhalten und eine Hierarchie. Die Jungtiere bleiben nahe bei ihren Müttern und lernen schnell, sich der Herde anzuschließen. Gnus spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem der afrikanischen Savanne, da sie zur Erhaltung der Graslandschaften beitragen und eine wichtige Nahrungsquelle für viele Raubtiere sind.