Hallo! Ich bin Otis, ein Fischotter – genau genommen ein eurasischer Otter. Das klingt ziemlich beeindruckend, oder? Ich lebe in einem glitzernden Fluss, der von dichtem, grünen Wald umgeben ist. Hier fühle ich mich zu Hause. Flussufer mit Weiden und Erlen sind meine liebsten Orte, denn hier finde ich alles, was ich brauche: klares Wasser zum Tauchen, Steine zum Ausruhen und Fische, Krebse und Frösche zum Futtern. Aber heute erzähle ich euch von einer besonderen Nacht, als das Mondlicht auf die Wellen tanzte und ich mehr Mut brauchte, als ich dachte.
Es begann, als ich tief unter der Wasseroberfläche jagte. Meine Lieblingsspeise? Bachforellen! Sie sind flink, aber ich bin flinkerer. Doch plötzlich hörte ich ein seltsames Geräusch – ein dumpfes Platschen. Ich tauchte auf, und da war es wieder. Zwischen den Bäumen regte sich etwas. Vorsichtig paddelte ich näher und entdeckte Finn, einen jungen Biber. Er war sichtlich nervös und starrte ins Wasser. Ein Ast war abgebrochen und drohte seine neu gebaute Burg zu beschädigen. Sein Blick voller Sorge machte mich neugierig, und ich schwamm an die Uferkante. "Otis," stammelte er, "kannst du mir helfen? Ich kann nicht tauchen wie du, und der Ast ist unter Wasser stecken geblieben." Instinktiv wusste ich, dass dies Mut verlangte – nicht nur von Finn, sondern auch von mir.
Der Fluss war kalt an jenem Abend – etwa zehn Grad, doch ich spürte die Temperatur kaum. Mein dicker Pelz hielt mich warm, selbst wenn ich tauchte. "Ich schaffe das, Finn," sagte ich mit einem wohl etwas zu großem Schwung an Selbstbewusstsein. Ich holte tief Luft, tauchte ab und suchte den Ast. Er steckte zwischen Steinen fest und war größer als gedacht. Mein Herz klopfte schneller. Was, wenn ich es nicht schaffe? Doch ich musste es versuchen. Mit meinem Kiefer packte ich das Holz und stemmte mich dagegen. Es war sperrig, schwer, und es dauerte mehrere Versuche, bis sich der Ast endlich aus seiner misslichen Lage löste und langsam nach oben trieb. Triumphierend folgte ich ihm und brach durch die Oberfläche – gerade rechtzeitig.
Finn jubelte. Seine Freude war ansteckend, und ich konnte nicht anders als mit ihm zu lachen. Gemeinsam schoben wir den Ast beiseite und sicherten seine Burg, bevor die Nacht zu dunkel wurde. Als der Mond noch einmal besonders hell auf das Wasser schien, sah ich Finn an und merkte, dass ich etwas Wichtiges gelernt hatte: Mut ist nicht immer laut und groß. Manchmal ist Mut ein leises Gefühl, das dich wissen lässt, dass du das Richtige tun kannst, auch wenn du nicht sicher bist, ob es klappt. Und irgendwie fühlte ich mich stärker – nicht wegen meiner Tat, sondern weil ich einem Freund geholfen hatte.
| Name: | Fischotter |
| Wissenschaftlicher Name: | Lutra lutra |
| Gewicht: | 7-12 kg |
| Maße: | 57-95 cm Länge |
| Lebensalter: | Bis 16 Jahre |
| Lebensraum: | Flüsse, Seen |
| Geschwindigkeit: | Schwimmgeschwindigkeit 12 km/h |
Der Fischotter, auch Eurasischer Otter genannt, gehört zur Familie der Marder (Mustelidae) und ist in Europa, Asien und Teilen Nordafrikas verbreitet. Er ist ein semi-aquatisches Säugetier, das sowohl im Wasser als auch an Land lebt. Fischotter sind bekannt für ihre schlanken Körper, dichten, wasserabweisenden Pelze und ihre ausgezeichneten Schwimmfähigkeiten.
Fischotter sind hervorragende Jäger und ernähren sich hauptsächlich von Fischen, aber auch von Amphibien, Krustentieren und kleinen Säugetieren. Sie haben einen stromlinienförmigen Körper und kräftige Beine mit Schwimmhäuten, die ihnen helfen, schnell und geschickt durch das Wasser zu gleiten. Ihre dichten Pelze halten sie warm und trocken, selbst in kaltem Wasser.
Fischotter leben in Ufernähe von Flüssen, Seen und Küstengebieten, wo sie in Höhlen oder unter Wurzeln ihre Baue anlegen. Diese Baue, auch als Holts bezeichnet, bieten ihnen Schutz und einen sicheren Ort zur Aufzucht ihrer Jungen. Fischotter sind sozial und spielen oft miteinander, was nicht nur zur Pflege ihrer sozialen Bindungen beiträgt, sondern auch ihre Fähigkeiten als Jäger schult. Aufgrund von Lebensraumverlust und Umweltverschmutzung sind Fischotter in vielen Gebieten bedroht, weshalb zahlreiche Schutzmaßnahmen zu ihrem Erhalt eingeleitet wurden.