Hallo, mein Name ist Lihal, und ich bin ein Kolibri. Falls du dich fragst, was das für ein Name ist, sagt meine Freundin Tica, das Faultier, er klingt wie ein Sonnenstrahl, der sich zwischen den Blättern hindurchtanzt. Ich wohne im dichten Regenwald irgendwo in Südamerika. Mein Zuhause ist ein erstaunliches Durcheinander aus grünen Blättern, duftenden Blüten und summenden Bewohnern, und ich liebe jeden Winkel davon. Vielleicht hast du schon von uns Kolibris gehört: Wir sind die, die so schnell mit den Flügeln schlagen, dass es aussieht, als würden wir in der Luft schweben. Aber heute erzähle ich dir nicht nur, wie ich fliege, sondern auch, was mir neulich passiert ist. Es begann an einem ganz gewöhnlichen Morgen, als die Sonne durch den leichten Nebel brach.
Ich war gerade dabei, meinen Lieblingsnektar aus einer leuchtend orangefarbenen Helikonie zu schlürfen, als ein leises Rascheln in den Blättern meine Aufmerksamkeit erregte. Sofort war ich wachsam – das könnte einer unserer Feinde sein! Vielleicht eine freche Vogelspinne oder gar ein winziger Raubvogel auf der Jagd. Aber dann hörte ich ein leises Piepen. "Lihal, bist du da?" Es war Patu, mein Freund, die blaue Pfeilgiftfrosch. "Patu, du bringst mich jedes Mal zum Zittern!", rief ich lachend, doch er sah ernst aus. "Da ist etwas in der Nähe. Etwas Großes." Ich fühlte, wie meine Federn sich vor Aufregung sträubten. Große Tiere bedeuteten oft Gefahr – oder Abenteuer.
Wir schlichen uns vorsichtig durch die Lianen und spitzten unsere Ohren. Schließlich entdeckten wir es: eine kleine Kapuzineraffenfamilie, die mit lauten Schreien um eine Palme kreiste. Auf dem Boden darunter lag eine umgestürzte Bromelie, und inmitten der Blätter blitzte etwas Goldenes auf. Mein Herz begann zu rasen. "Was ist das?", flüsterte Patu. "Es sieht so fremdartig aus." Mutig flatterte ich näher, um nachzusehen. Es war ein seltsames Metallstück, glitzernd und kalt. Vielleicht hatte ein Mensch es verloren, als er durch den Regenwald wanderte. Die Affen schauten mich misstrauisch an und zogen sich zurück – anscheinend waren sie wegen des Lärms aufgebracht, nicht wegen mir.
Während ich die glänzende Entdeckung untersuchte, hörte ich auf einmal ein entferntes Kreischen. "Adler!", rief Patu panisch und hüpfte in die nächste Felsspalte. Ohne groß nachzudenken, schnappte ich das seltsame Ding mit meinem Schnabel und schoss in die Luft. Meine Flügel bewegten sich so schnell, dass sie summten wie eine Melodie. Der Schatten des Adlers raste über die Baumkronen, aber ich war schneller. Mein kleines Herz pochte wie verrückt, als ich mich in einer Spirale in die Höhe schraubte und dann in die dichten Äste eines Kapokbaums stürzte. Sicher und unsichtbar vor dem großen Jäger.
Als ich das metallene Etwas bei unserem Treffpunkt versteckte, tauchte Patu wieder auf. "Hast du das gesehen? Ich dachte, du schaffst es nicht!", quakte er und sprang vor Aufregung umher. Ich legte das Ding vor ihn und sah zu, wie das Licht sich in seinen nassen Hautpigmenten spiegelte. "Nun, Patu," sagte ich mit einem kleinen Lächeln, "manchmal muss ein Kolibri einfach mutig sein." Er gluckste. Bei all dem Trubel hatten wir völlig vergessen, dass heute unser Freundes-Rennen stattfinden sollte. Patu und ich flogen und hüpften durch Wurzeln, vorbei an Orchideen, über kleine Wasserfälle bis zu unserem Lieblingsplatz. Wie immer lachten wir bis zum Sonnenuntergang, als die Lichter der Glühwürmchen den Regenwald in ein funkelndes Märchenland verwandelten.
| Name: | Kolibri |
| Wissenschaftlicher Name: | Trochilidae sp. |
| Gewicht: | 2-20 g |
| Maße: | 7-13 cm Länge |
| Lebensalter: | Bis 5 Jahre |
| Lebensraum: | Tropische und subtropische Wälder |
| Geschwindigkeit: | Bis zu 50 km/h |
Kolibris sind winzige, farbenfrohe Vögel, die hauptsächlich in Amerika vorkommen, von Alaska bis nach Südamerika. Sie sind bekannt für ihre Fähigkeit, auf der Stelle zu fliegen, rückwärts zu fliegen und blitzschnell zu manövrieren. Kolibris haben leuchtend buntes Gefieder, das in der Sonne oft metallisch schimmert. Ihre langen, dünnen Schnäbel sind perfekt zum Nektarsaugen aus Blumen geeignet.
Kolibris ernähren sich hauptsächlich von Blütennektar, den sie mit ihren spezialisierten Zungen aus den Blütenkelchen saugen. Sie fressen auch kleine Insekten und Spinnen, um ihren Proteinbedarf zu decken. Diese Vögel haben einen unglaublich schnellen Stoffwechsel und müssen täglich große Mengen an Nahrung aufnehmen, um ihre Energie aufrechtzuerhalten. Sie besuchen zahlreiche Blüten pro Tag und tragen dabei zur Bestäubung bei, was sie zu wichtigen Akteuren im Ökosystem macht.
Kolibris bauen winzige Nester aus Spinnweben, Pflanzenfasern und Moos, die sie in Bäumen oder Sträuchern gut verstecken. Das Weibchen legt normalerweise zwei kleine Eier, die es alleine ausbrütet und die Jungen füttert. Kolibris sind für ihre erstaunliche Flugkunst, ihre schillernden Farben und ihre Rolle in der Bestäubung bekannt und werden oft als "fliegende Juwelen" bezeichnet.