Ich heiße Lila. Ich bin eine Silbermöwe, stolz und ein wenig neugierig. Meine Welt ist das weite Meer, die salzige Luft und die raue Küste, die sich jeden Tag unter den Wellen verändert. Heute Morgen bin ich früh aufgestanden – na gut, Möwen schlafen ja sowieso meistens im Freien – und mein Magen hat mich daran erinnert, dass es Zeit für Frühstück ist. Also habe ich losgeflattert, meine Flügel ausgebreitet und mich von den Winden tragen lassen. Die ersten Sonnenstrahlen spiegeln sich auf dem Wasser, und von hier oben sehe ich all die Geheimnisse, die das Watt bei Ebbe freilegt. Wusstest du, dass wir Möwen scharfe Augen haben? Ich sehe Muscheln, Krabben und manchmal sogar kleine Fische, die sich in den flachen Pfützen verirrt haben. Heute liegt etwas anderes in der Luft: der Hauch eines Abenteuers.
Während ich über die Wellen gleite, höre ich plötzlich eine aufgeregte Stimme. "Lila, warte!", ruft jemand. Es ist Finn, die Eiderente. Finn ist ein bisschen tapsig, aber er hat ein großes Herz und ist mein Freund, seit ich denken kann. "Was ist denn los, Finn?" frage ich und lande elegant auf einem niedrigen Felsen. Finn paddelt hektisch durchs Wasser und ruft: "Es gibt eine Herausforderung! Die Möwen aus dem Nachbardorf behaupten, sie seien die geschicktesten am Himmel. Sie wollen uns zu einem Wettflug herausfordern!" Ein Wettflug, denke ich. Das klingt spannend, aber auch gefährlich. Hier am Meer können die Winde tückisch sein, und Raubmöwen oder sogar Greifvögel können plötzlich auftauchen. Finn sieht mich erwartungsvoll an. Ich zögere. Klar, ich liebe das Fliegen, aber ich weiß, dass ich auf Nummer sicher gehen muss.
Der Wind hat zugenommen, als wir später am Nachmittag am Strand stehen. Ich bin bereit, auch wenn mir ein wenig mulmig ist. Die Möwen aus dem Nachbardorf haben uns genau erklärt, was zu tun ist: Es geht nicht einfach nur darum, schnell zu fliegen, sondern auch darum, Geschick zu beweisen. Unterwegs müssen wir durch einen engen Felsbogen, über die Wellen hinweg und schließlich einen Fisch aufsammeln, der auf einem Felsen liegt. "Vergiss nicht, auf Strömungen und starke Böen zu achten", warnt Finn, und ich nicke. Mein Herz pocht, während der Startschuss fällt. Ich stoße mich vom Boden ab und fühle die vertraute Kraft des Windes unter meinen Flügeln. Es gibt nichts Schöneres als das Fliegen, denke ich – egal ob Wettkampf oder nicht.
Die ersten Hindernisse meistere ich mit Leichtigkeit. Der Felsbogen ist eine Herausforderung, aber ich kenne diese Gegend wie meine eigene Feder. Mit einem wendigen Schlenker schieße ich hindurch und bin froh über das Training, das ich oft mache, wenn ich durch Felsküstenkreise fliege, um nach Beute zu suchen. Die anderen Möwen sind dicht hinter mir, und ich merke, wie der Wind stärker wird. Plötzlich sehe ich eine Raubmöwe am Himmel kreisen. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Seit ich an der Küste lebe, habe ich gelernt, dass Raubmöwen sehr aggressiv sein können. Doch heute scheint diese Möwe kein Interesse an mir zu haben – oder vielleicht liegt es daran, dass wir alle zu schnell und wendig sind.
Als ich den letzten Abschnitt des Wettflugs erreiche, spüre ich die Müdigkeit in meinen Flügeln. Aber da ist er, der Felsen mit dem Fisch, der das Ziel der Herausforderung markiert. Mit einem geschickten Manöver lasse ich mich fallen, fahre meine Klauen aus und greife zu. Geschafft! Der Fisch ist meiner, und ich drehe ab, um mich wieder in die Luft zu schwingen. Ich höre Jubelschreie von Finn und den anderen Möwen – ich habe den Wettflug gewonnen! Zurück am Strand erwartet mich ein stolzes Publikum. "Du bist unglaublich!" ruft Finn, und ich stoße einen freudigen Schrei aus. Der Wind trägt ihn weit über das Meer hinaus. Ein Tag wie dieser zeigt mir, warum ich das Leben einer Möwe so liebe.
Möwen können zwei verschiedene Salzquellen verarbeiten: Frisches Wasser und Salzwasser. Dank einer speziellen Drüse über ihrem Schnabel können sie überschüssiges Salz aus ihrem Körper herausfiltern und so sogar Meerwasser trinken, ohne Schaden zu nehmen!
| Name: | Möwe |
| Wissenschaftlicher Name: | Larus argentatus |
| Gewicht: | ca. 0,75-1,5 kg |
| Maße: | ca. 55-67 cm lang, Flügelspannweite ca. 120-155 cm |
| Lebensalter: | ca. 10-20 Jahre |
| Lebensraum: | Küstenregionen, Binnengewässer, Städte |
| Geschwindigkeit: | ca. 50-65 km/h im Flug |
Möwen sind vielseitige und anpassungsfähige Seevögel, die in Küstengebieten, an Seen und Flüssen auf der ganzen Welt zu finden sind. Es gibt viele verschiedene Arten von Möwen, die in Größe und Färbung variieren. Die meisten Möwen haben graues oder weißes Gefieder mit schwarzen Markierungen auf den Flügeln und dem Kopf sowie kräftige, gelbe Schnäbel und Füße.
Möwen sind Allesfresser und haben eine breite Palette von Nahrungsquellen. Sie ernähren sich von Fisch, Krebstieren, Insekten und kleinen Wirbeltieren, aber auch von Abfällen und Nahrungsresten, die sie in städtischen Gebieten finden. Ihre Anpassungsfähigkeit und ihr opportunistisches Verhalten machen sie zu erfolgreichen Überlebenskünstlern in verschiedenen Umgebungen.
Möwen nisten in Kolonien, oft auf Felseninseln, Klippen oder am Boden in geschützten Küstengebieten. Das Weibchen legt mehrere Eier, die beide Elternteile abwechselnd bebrüten. Nach dem Schlüpfen kümmern sich beide Eltern um die Küken, die nach einigen Wochen flügge werden. Möwen sind für ihre lauten Rufe bekannt, die oft über Küsten und Hafenstädten zu hören sind. Ihre Anpassungsfähigkeit und ihr geschicktes Verhalten machen sie zu einer bekannten und oft gesehenen Vogelart.