Mein Name ist Nila. Ich bin eine Silbermöwe, und man kann mich an meinem schimmernden, weißen Gefieder und den eleganten, grauen Flügeln erkennen. Ein gelber Schnabel mit einem roten Punkt rundet mein Aussehen ab – wobei, ich muss ehrlich sagen, ich finde mich ziemlich schick. Ich lebe in einer kleinen Kolonie auf einer felsigen Küste an der Nordseeküste, wo das Tosen der Wellen nie verstummt. Oben in der Luft fühle ich mich frei, schwebe mit dem Wind, beobachte das Glitzern der Sonne auf dem Wasser. Doch was mir am meisten gefällt, ist die Geräuschkulisse. Vom Schreien der anderen Möwen bis hin zum rhythmischen Rauschen des Meeres – für mich ist das alles wie Musik.
Heute ist ein besonderer Tag. Es hat die ganze Nacht gestürmt, und das Meer ist voller Überraschungen. Ich segle über die Brandung und halte Ausschau nach etwas Essbarem – kleine Fische, Krebse oder vielleicht ein angespültes Muschelstück. Mein bester Freund Finn, ein Sandregenpfeifer mit dünnen Beinchen und lustiger Haube, stöbert am Strand. „Nila!“, ruft er aufgeregt und flügelt mit halber Kraft zu mir herüber. „Du musst dir das anschauen!“ Ich lande geschmeidig neben ihm und sehe, was er entdeckt hat: Ein angeschwemmtes, zerschrammtes Stück Holz, auf dem bunte Muster gemalt sind. Es sieht aus wie ein Teil eines alten Fischerbootes, das jemand kunstvoll bemalt hat. Finn legt schief den Kopf. „Das erzählt eine Geschichte, oder?“, fragt er. „Vielleicht“, sage ich. „Vielleicht erzählt es das Lied der Fischer.“
In der Nähe gesellt sich auch Luna zu uns, eine neugierige Eiderente, die immer dabei sein muss, wenn etwas Interessantes passiert. Sie schnattert fröhlich: „Oh, das sieht aus wie Kunst, Nila. Ihr Möwen seid doch so begabt mit Schnäbeln – willst du es nicht vervollständigen?“ Ich kichere. „Kunst mit dem Schnabel? Was für eine verrückte Idee, Luna!“ Trotzdem kann ich den Gedanken nicht loswerden. Am Nachmittag, nachdem ich mit Finn im Sand gespielt und ein paar Krabben gefangen habe, kehre ich zu dem bemalten Holzstück zurück. Ich betrachte es lange, lasse meinen Schnabel vorsichtig darüber gleiten. Die Farben sind fast schon verwischt, aber ich kratze mit meinen Schnabelspitzen einige Linien in den Sand daneben – Formen, die ich vom Flug über die Brandung kenne. Es entsteht eine Art Muster, das aussieht wie auf den Wellen tanzendes Licht.
„Das sieht toll aus!“, ruft Finn, der plötzlich wieder aufgetaucht ist. Luna plustert sich auf. „Du hast eine Art Talent, Nila“, ruft sie mit Begeisterung. Mir wird heiß vor Scham. „Ach, das ist nur Geplauder von euch beiden“, murmle ich. Doch innerlich bin ich ein bisschen stolz. Die nächste Flut spült meine Sandbilder wieder weg, doch das ist mir egal. Ich war ein kleiner Teil von dem großen Kunstwerk des Meeres – und diese Idee gefällt mir. Musik und Kunst sind überall um uns herum, wenn wir nur mit offenen Augen sehen und vor allem mit den Ohren hören. Abends, als die Möwenkolonie sich für die Nacht zusammenschart, lausche ich dem Lied der Wellen. Morgen werde ich vielleicht eine neue Melodie finden.
Möwen haben eine erstaunliche Fähigkeit, sowohl Süß- als auch Salzwasser zu trinken. Dank einer speziellen Drüse oberhalb ihrer Augen können sie überschüssiges Salz ausscheiden, das durch das Trinken von Meerwasser in ihren Körper gelangt. Das hilft ihnen, in ihrem Lebensraum an der Küste bestens zu überleben!
| Name: | Möwe |
| Wissenschaftlicher Name: | Larus argentatus |
| Gewicht: | ca. 0,75-1,5 kg |
| Maße: | ca. 55-67 cm lang, Flügelspannweite ca. 120-155 cm |
| Lebensalter: | ca. 10-20 Jahre |
| Lebensraum: | Küstenregionen, Binnengewässer, Städte |
| Geschwindigkeit: | ca. 50-65 km/h im Flug |
Möwen sind vielseitige und anpassungsfähige Seevögel, die in Küstengebieten, an Seen und Flüssen auf der ganzen Welt zu finden sind. Es gibt viele verschiedene Arten von Möwen, die in Größe und Färbung variieren. Die meisten Möwen haben graues oder weißes Gefieder mit schwarzen Markierungen auf den Flügeln und dem Kopf sowie kräftige, gelbe Schnäbel und Füße.
Möwen sind Allesfresser und haben eine breite Palette von Nahrungsquellen. Sie ernähren sich von Fisch, Krebstieren, Insekten und kleinen Wirbeltieren, aber auch von Abfällen und Nahrungsresten, die sie in städtischen Gebieten finden. Ihre Anpassungsfähigkeit und ihr opportunistisches Verhalten machen sie zu erfolgreichen Überlebenskünstlern in verschiedenen Umgebungen.
Möwen nisten in Kolonien, oft auf Felseninseln, Klippen oder am Boden in geschützten Küstengebieten. Das Weibchen legt mehrere Eier, die beide Elternteile abwechselnd bebrüten. Nach dem Schlüpfen kümmern sich beide Eltern um die Küken, die nach einigen Wochen flügge werden. Möwen sind für ihre lauten Rufe bekannt, die oft über Küsten und Hafenstädten zu hören sind. Ihre Anpassungsfähigkeit und ihr geschicktes Verhalten machen sie zu einer bekannten und oft gesehenen Vogelart.