Ich heiße Garima. Ich bin ein Gänsegeier, und mein Zuhause liegt in den weiten Schluchten eines Gebirges irgendwo im Mittelmeerraum. Hier, hoch oben in den felsigen Klippen, wo die Luft kühler ist und die Winde mir den nötigen Auftrieb für das Fliegen geben, verbringe ich meine Tage. Mein Gefieder ist sandfarben, perfekt, um im Sonnenlicht zu glänzen. Aber was ich wirklich liebe, sind die Luftströme – sie fühlen sich fast wie Pinselstriche an, die den Himmel bemalen und mir Freiheit schenken.
Eines Morgens, als der erste Sonnenstrahl die Felsen küsste, breitete ich meine mächtigen Flügel aus und stieß mich von der Klippe. Der Wind trug mich sanft in die Höhe, wo die Welt kleiner und friedlicher wirkt. Schon bald entdeckte ich meinen besten Freund, Talvar, den Adler. Talvar und ich verstehen uns blendend, auch wenn er oft grübelt, warum ich mich mit Farben beschäftige, statt wie er nur nach Aas Ausschau zu halten. "Garima", meinte er humorvoll, "du bist die einzige, die glaubt, der Himmel sei ihre Leinwand."
Doch genau das ist er für mich! Mit meinen weiten Flügeln zeichne ich Muster in die Luft. Ich folge den Winden, fliege Kreise, Dreiecke, sogar Buchstaben – wenigstens stelle ich mir das so vor. Heute hatte ich mir vorgenommen, eine besonders elegante Spirale in den Himmel zu malen. Ich ließ mich auf die Thermik ein, jenen unsichtbaren Aufwind aus warmer Luft, der uns Gänsegeier dabei hilft, so hoch zu fliegen, ohne einen einzigen Flügelschlag machen zu müssen. Spielerisch drehte ich mich in Kreisen nach oben, höher und höher.
Mein Kunstwerk wurde jedoch unterbrochen, als tief unter mir ein markantes Heulen erklang. Es war Ruva, der Fuchs, ein cleveres Tier, das oft unter den Felsen umherstreifte. "Garima, flieg nicht zu hoch! Die Krähen in der Nähe haben schlechte Laune." Krähen können wirklich unangenehm sein, wenn man ihnen zu nah kommt – sie picken einem ohne Grund auf den Kopf! Ich nickte und hielt mich auf sicherer Höhe. Kreativität ist schön, aber Vorsicht ist genauso wichtig, vor allem hier in den Bergen.
Als die Sonne nach Westen wanderte und der Himmel in Gold und Orange leuchtete, traf ich Tiba, die Schildkröte. Tiba meinte: "Garima, warum zeichnest du durch die Luft? Siehst du die Bilder, die du malst, selbst?" Ich schüttelte den Kopf. "Nein, Tiba. Aber ich fühle sie. Diese unsichtbaren Formen sind wie meine Gedanken – sie bleiben für mich lebendig, auch wenn sie niemand sehen kann." Tiba schwieg kurz, dann nickte sie langsam. "Vielleicht ist das der Zauber: nicht alles, was zählt, kann man sehen."
Mit dieser Weisheit im Herzen flog ich zurück zu meiner Klippe. Der Tag neigte sich dem Ende, und die Welt versank in ein tiefes Blau. Aber tief in mir strahlten die Farben weiter – ein unsichtbares Bild, das nur mir gehörte. Ich ließ mich von der Kühle der Nacht umarmen und träumte von neuen Kreationen. Der Himmel gehörte mir, meiner Kreativität und meiner Welt, und niemand konnte das ändern.
Gänsegeier können stundenlang in der Luft gleiten, ohne mit den Flügeln schlagen zu müssen. Das schaffen sie, weil sie meisterhaft die Thermik nutzen: aufsteigende warme Luftströme, die sie immer höher tragen!
| Name: | Gänsegeier |
| Wissenschaftlicher Name: | Gyps fulvus |
| Gewicht: | ca. 6-11 kg |
| Maße: | ca. 95-110 cm lang, Flügelspannweite ca. 230-280 cm |
| Lebensalter: | ca. 20-25 Jahre |
| Lebensraum: | Gebirge, Steppen, offene Landschaften |
| Geschwindigkeit: | ca. 50-55 km/h im Flug |
Der Gänsegeier ist ein großer, imposanter Greifvogel, der in Europa, Asien und Nordafrika vorkommt. Er hat ein auffälliges Aussehen mit einem hellen, meist weißen Kopf und Hals, der von einem dichten Kragen aus weichen Daunenfedern umgeben ist. Sein Körper ist überwiegend braun, und seine Flügel sind breit und stark, was ihm einen majestätischen Flugstil verleiht.
Gänsegeier sind Aasfresser und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie die Überreste toter Tiere beseitigen. Sie haben einen ausgezeichneten Geruchssinn und scharfe Augen, die ihnen helfen, Kadaver aus großer Höhe zu entdecken. Mit ihrem kräftigen Schnabel können sie selbst dicke Haut und Knochen zerkleinern, um an das Fleisch zu gelangen. Diese Fähigkeit macht sie zu effektiven "Reinigern" der Natur.
Gänsegeier leben in großen Kolonien und nisten in hohen Felsklippen oder Bäumen, wo sie sicher vor Bodenräubern sind. Das Weibchen legt ein einziges Ei, das von beiden Elternteilen abwechselnd bebrütet wird. Nach dem Schlüpfen kümmern sich beide Eltern um die Fütterung des Jungvogels. Gänsegeier sind langlebige Vögel, die in freier Wildbahn bis zu 40 Jahre alt werden können. Ihr Schutz ist entscheidend, um die Gesundheit der Ökosysteme zu bewahren, in denen sie leben, und die Populationen dieser beeindruckenden Vögel zu erhalten.