Hallo, ich bin Goldrand, und wie du sicher schon erraten hast, bin ich ein Stieglitz. Meine Freunde sagen, mein Federkleid glitzere manchmal so hell, dass die Morgensonne darin tanzt. Ein bisschen eingebildet klingt das vielleicht, aber es stimmt schon: Meine leuchtenden roten, gelben und schwarzen Federn sind schwer zu übersehen. Besonders hier, in unserer Heimat, den bunten Hecken und Blumenwiesen, wo das Grün der Bäume und die zarten Farben der Blüten uns Stieglitze einfach perfekt ergänzen.
Ich wohne in einer gemütlichen Wildhecke, die ganz nah an einem Beerstrauch liegt. Hier sind die Wiesen voller Kletten und Disteln – unserer Lieblingspflanze, weil wir die Samen daraus picken. Die Hecken sind nicht nur mein Zuhause, sondern auch mein Schutzschild. Wenn der Sperber über die Wiesen gleitet oder die Katze der Menschen aus dem nächsten Dorf sich anschleicht, kann ich flink ins Geäst flattern. Aber keine Sorge, ich habe bisher immer einen Weg gefunden, diesen hungrigen Blicken zu entkommen! Was ich aber noch mehr liebe, als am frühen Morgen nach leckeren Samen zu suchen, sind meine Wettflüge mit Flachsfuß. Flachsfuß ist ein Zaunkönig – klein, aber oho, wie ich immer sage. Er ist der schnellste Flieger in der Gegend, zumindest behauptet er das von sich.
Eines sonnigen Nachmittags rief Flachsfuß mich zu einer besonderen Herausforderung. „Goldrand“, trällerte er mit seiner piepsigen, aber lauten Stimme, „ich wette, du schaffst es nicht, quer über die große Wiese und im Bogen zurück zur alten Kastanie vor mir zu fliegen!“ Natürlich wusste ich, dass das ein trickreiches Rennen werden würde – er konnte durch enge Büsche schlüpfen, während ich eher größere Bögen flog. Aber ich winkte mit meinem Flügel ab und rief: „Flachsfuß, ich bin dabei!“ Aufgeregt flatterten alle Tiere aus der Gegend herbei, um zuzuschauen. Sogar die schüchterne Maus Pimpinella lugte aus ihrem Erdloch, und ein Trupp Amseln setzte sich auf die Kastanie, die das Ziel markieren sollte.
Der Startschuss kam, als ein Windstoß plötzlich die Disteln zum Wackeln brachte. Schnell wie ein Pfeil schoss ich in die Luft. Ich ließ die kräftigen Federn meiner Flügel spielen, während ich auf Höhe kam, um den Überblick zu behalten. Flachsfuß hingegen schoss dicht über den Boden hinweg, elegant an den hohen Gräsern vorbei. Mein Herz klopfte wild, als ich mich in die Kehre zum Rückflug legte. Der Duft von Sommerblumen war überall, und ich hatte nur einen Augenblick Zeit, um eine Haselmaus zu bemerken, die eifrig an einer Haselnuss nagte. Flachsfuß war wie ein kleiner Schatten unter mir, flink, aber ich war schneller und meine Flügel schlugen taktvoll wie ein kleines Instrument. Die Kastanie kam näher, und ich setzte alles auf einen kraftvollen Endspurt.
Jubel brach aus, als ich schnaubend, aber siegreich eine Landung auf einem Ast der Kastanie hinlegte. Flachsfuß brauchte einige Sekunden länger, um sich keuchend zu mir zu gesellen. „Na gut, Goldrand“, schnaufte er schließlich, „du hast verdient gewonnen – diesmal!“ Die Amseln applaudierten mit ihrem lauten „Dik-dik-dik“, und Pimpinella klatschte begeistert mit ihren winzigen Tatzen. In diesem Moment war ich nicht nur ein Stieglitz, sondern der König der Luft! Na ja, jedenfalls für einen Tag. Nach dem Rennen trafen wir uns alle am Beerstrauch, teilten ein Festmahl aus Samen, Beeren und ein paar Larven, und ich musste wieder einmal feststellen: Das Leben in der Hecke ist das Beste, was man sich vorstellen kann.
| Name: | Stieglitz |
| Wissenschaftlicher Name: | Carduelis carduelis |
| Gewicht: | ca. 14-19 g |
| Maße: | ca. 12-13,5 cm lang, Flügelspannweite ca. 21-25 cm |
| Lebensalter: | ca. 8-10 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Gärten, Parks, offene Landschaften |
| Geschwindigkeit: | ca. 30-35 km/h |
Der Stieglitz, auch als Distelfink bekannt, ist ein kleiner, bunter Singvogel, der in Europa, Nordafrika und Teilen Asiens heimisch ist. Er ist leicht an seinem auffälligen Federkleid zu erkennen, das leuchtend gelbe Flügelstreifen, einen roten Gesichtsmaskenbereich und einen schwarzen und weißen Kopf umfasst. Sein Gesang ist melodisch und besteht aus einer Reihe von Trillern und Zwitschern.
Stieglitze leben in einer Vielzahl von Lebensräumen, darunter Gärten, Obstplantagen, Wiesen und Waldränder. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, insbesondere von Distelsamen, die sie geschickt mit ihren feinen Schnäbeln aus den Blütenköpfen picken. Im Winter bilden Stieglitze oft große Schwärme und suchen gemeinsam nach Nahrung, was ihnen hilft, die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Stieglitze bauen ihre Nester gut versteckt in Bäumen und Sträuchern. Das Weibchen legt mehrere Eier, die es etwa zwei Wochen lang bebrütet. Beide Elternteile füttern die Jungen, bis diese flügge werden. Stieglitze sind aufgrund ihrer Farbenpracht und ihres fröhlichen Gesangs beliebte Vögel bei Vogelbeobachtern und Naturfreunden. Der Schutz ihrer Lebensräume und die Bereitstellung von Nahrungspflanzen wie Disteln tragen dazu bei, die Bestände dieser wunderschönen Vögel zu erhalten.