Hallo, ich bin Korali, ein Grauer Riffhai – und ja, ich weiß, wir Haie haben nicht den allerbesten Ruf, aber ich bin ziemlich stolz darauf, ein so elegantes Tier zu sein. Ich lebe in den warmen, türkisblauen Gewässern um ein großes Korallenriff im Pazifik. Hier ist es immer schön warm, meistens so um die 25 bis 30 Grad. Mein Zuhause ist wirklich beeindruckend: überall bunte Korallen, die in allen Farben des Regenbogens schimmern, schwebende Fischschwärme und Meereslebewesen, die sich zwischen den Korallen verstecken. Aber mein Lieblingsplatz ist eine große Höhle im Riff, die ich „Koralis Palast“ nenne. Da ist es sicher und gemütlich – ich habe sie mir auch mit ein paar Algen dekoriert, damit sie einzigartig ist!
Eines Morgens, als die ersten Sonnenstrahlen durch das klare Wasser fielen, beschloss ich, mal wieder meine Nachbarn im Riff zu besuchen. Während ich durch den Korallengarten glitt, grüßte ich den Clownfisch Bobo, der wie immer in einer Anemone herumschwamm. Ich hielt an, um mit ihm zu plaudern. „Und, Bobo? Was gibt’s Neues?“ fragte ich neugierig. „Ach, nichts Besonderes“, piepste er. „Aber pass auf, Korali! Ich habe gehört, dass dahinter, am Rand des Riffs, ein riesiger Napoleon-Lippfisch gesichtet wurde. Der ist so groß, dass selbst ein Grauer Riffhai wie du platt daneben aussieht!“ Ich grinste nur. Napoleon-Lippfische sind zwar eindrucksvoll, aber ungefährlich für jemanden wie mich. Trotzdem hob ich mir die Begegnung mit diesem Ozean-Riesen für später auf und setzte meine Tour fort.
Plötzlich spürte ich eine Veränderung im Wasser um mich herum. Die gemütliche Ruhe schien wie weggeblasen. Da war sie – die Silhouette eines Hammerhais. Mein Herz schlug schneller. Nicht, weil ich Angst hatte, aber Hammerhaie sind selbst für einen Grauen Riffhai wie mich unvorhersehbar. Schnell suchte ich Zuflucht in einem engen Spalt zwischen den Korallen. „Hey, Korali“, knurrte der Hammerhai, während er dicht an mir vorbeischwamm. „Ich habe gehört, du traust dich nicht ins offene Wasser. Zur Nahrungsschlucht.“ Ich schluckte – das war mein Geheimnis. Ich hatte immer vermieden, die tiefdunklen Schluchten hinter dem Riff zu erkunden. Was, wenn dort etwas Großes und Gefährliches auf mich wartete?
Nach diesem kurzen, aber einschüchternden Treffen war ich nachdenklich. Konnte es sein, dass ich mich all die Jahre so sehr auf mein schönes Riff konzentriert hatte, weil ich zu ängstlich war, das unbekannte offene Wasser zu erkunden? Ich wagte mich nie in die Schluchten, weil ich vor allem fürchtete, was ich dort nicht sehen konnte. Das offene Wasser war ganz anders als mein sicheres Zuhause. Aber irgendetwas in mir – eine Art Neugier, die ich nicht unterdrücken konnte – drängte mich, meine Ängste zu überwinden und die Welt außerhalb des Riffs zu entdecken. Und genau das beschloss ich zu tun!
Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg, und es fühlte sich an wie eine große Reise. Der Rand des Riffs kam in Sicht, und darunter erstreckte sich die tiefe Schlucht. Das Wasser erschien mir plötzlich dunkler und bedrohlicher. Meine Flossen zitterten – ja, sogar Haie können manchmal zittern! Ich hielt inne und erinnerte mich an etwas, das meine alte Freundin, die Meeresschildkröte Tara, mir einmal gesagt hatte: „Manchmal muss man das Unbekannte umarmen, damit das Leben neue Farben bekommt.“ Ermutigt tauchte ich ein. Je weiter ich schwamm, desto mehr faszinierende Lebewesen entdeckte ich. Ein Schwarm silbrig glänzender Makrelen zog an mir vorbei, und eine schillernde Qualle glühte wie eine Unterwasserlampe. Und da, ganz unten, kauerte der große Napoleon-Lippfisch! Ich schwamm näher und stellte fest, dass er gar nicht so furchteinflößend war, wie er klang. „Hey, du siehst beeindruckend aus“, meinte er freundlich, und plötzlich fühlte ich mich mutiger als je zuvor.
Als ich den langen Weg zurück zum Riff schwamm, war ich ein anderer Hai. Ich hatte gelernt, dass das Unbekannte oft gar nicht so schlimm ist, wie man denkt – manchmal ist es einfach nur neu und aufregend. Zurück in meinem Riff erzählte ich meinen Freunden begeistert von meinen Abenteuern. Und jetzt? Ich komme regelmäßig an den Rand des Riffs. Denn wer weiß, welche Geheimnisse das offene Wasser morgen bereithält?
Der Graue Riffhai hat „Augenringe“ – eine dunkle Umrandung rund um seine Augen. Diese hilft, Streulicht zu blockieren und verbessert somit seine Sichtnähe, was ihm bei der Jagd besonders zugutekommt.
| Name: | Grauer Riffhai |
| Wissenschaftlicher Name: | Carcharhinus amblyrhynchos |
| Gewicht: | 20 kg |
| Maße: | bis 2,50 Meter |
| Lebensalter: | 25 Jahre |
| Lebensraum: | Ist in den tropischen Küstengewässern weltweit verbreitet, insbesondere im Pazifik und im Indischen Ozean sowie im westlichen Atlantik. Diese Haie bewohnen Korallenriffe und flache Küstengewässer in Tiefen von bis zu 30 Metern. |
| Geschwindigkeit: | keine Angabe |
Der Graue Riffhai, wissenschaftlich bekannt als Carcharhinus amblyrhynchos, ist eine weit verbreitete Haiart in den tropischen und subtropischen Meeren weltweit. Diese Haie sind häufig in Korallenriffen anzutreffen, insbesondere in den Gewässern des Indopazifiks, von der Küste Ostafrikas bis nach Japan und Australien sowie entlang der Küsten Südostasiens. Graue Riffhaie sind schlank gebaute Raubtiere, die normalerweise eine Länge von 1,5 bis 2,5 Metern erreichen. Sie zeichnen sich durch ihre graue Färbung aus, die ihnen eine gute Tarnung in den Riffumgebungen bietet. Diese Haie ernähren sich hauptsächlich von Fischen, Kopffüßern und anderen wirbellosen Meeresbewohnern. Als wichtiger Bestandteil des Ökosystems der Korallenriffe tragen Graue Riffhaie zur Regulation der Fischpopulationen bei und helfen, das Gleichgewicht in diesen sensiblen Lebensräumen aufrechtzuerhalten. Trotz ihrer Fähigkeit, potenziell gefährlich zu sein, sind sie im Allgemeinen scheu und meiden den Kontakt mit Menschen, es sei denn, sie werden provoziert oder in die Enge getrieben.