Die kleine Raumkapsel „Sternensucher“ landete sanft auf der Marsoberfläche, umgeben von einer unendlichen Weite aus rubinrotem Sand. Finn, ein wissbegieriger Junge mit einem Helm, der etwas zu groß für seinen Kopf war, trat vorsichtig hinaus. Seine Stiefel versanken im feinen Staub, der wie zermahlener Ziegelstein in der dünnen Atmosphäre schimmerte. „Das hier ist der Mars!“ rief Finn begeistert, während er auf sein Messgerät schaute. Es zeigte -80 Grad Celsius. Doch in der Mittagssonne, die ein blasses Licht über die Landschaft warf, fühlte sich die Landschaft beinahe lebendig an - ein toter Planet, der heimlich atmete. „Wusstest du, dass die Marsatmosphäre fast nur aus Kohlendioxid besteht?“ murmelte Finn, stolz auf sein Wissen, während er ein Glasrohr herausholte, um ein wenig von dem roten Sand einzusammeln.
Plötzlich hörte er ein leises Summen, das von den Dünen hinter ihm zu kommen schien. Als er den Kopf hob, sah er ein seltsames, schimmerndes Licht, das sich über den Horizont zog. Neugierig folgte Finn den Spuren des Lichts, seine Schuhe verursachten kleine Staubwolken, die sich in der marsianischen Schwerkraft nur langsam legten. Vor ihm erstreckte sich der Olympus Mons, der größte Vulkan im Sonnensystem, so hoch, dass seine Spitze fast die Wolken des dünnen Himmels berührte. „Der Olympus Mons ist fast dreimal so hoch wie der Mount Everest!“, flüsterte Finn ehrfürchtig, bevor er auf dem Anzeigedisplay seines Anzugs nachschaute, wie viele Kilometer er sich von der Kapsel entfernt hatte. Während er weiterging, spürte er plötzlich eine Vibration im Boden, als würde der Mars sich mit ihm unterhalten wollen.
Vor ihm erschien ein Kreis aus Steinen, die in alten Mustern angeordnet waren – wie eine Einladung in eine verlorene Welt. Als er in die Mitte trat, veränderte sich der Boden plötzlich. Der Sand begann zu leuchten, und Finn musste blinzeln, um die Augen nicht zu schließen. Eine holografische Gestalt erschien vor ihm! Es war Tira, ein Wesen aus Licht und Energie, das Finns Marsanzug nicht zu durchdringen schien. „Du bist ein Reisender, der die alten Geschichten des Mars sucht“, sprach sie sanft, während der staubige Boden unter seinen Füßen fast gläsern wirkte. Tira erklärte, dass der Mars einst ein blauer Planet war, mit Flüssen und Seen – alles vor Milliarden von Jahren. Sie zeigte Finn mit einer magischen Geste alte Karten, auf denen Flüsse wie der mächtige Kasei Vallis abgebildet waren. „Heute schlummern diese Gewässer tief unter den Eiskappen,“ erklärte Tira, „aber sie erzählen immer noch Geschichten.“
Finn war fasziniert – konnte es wirklich flüssiges Wasser tief unter der Oberfläche geben? Könnte die Menschheit eines Tages den Mars mit Leben füllen? Doch bevor er weiterfragen konnte, begann die holografische Gestalt zu verblassen. Tira warnte ihn: „Der Mars mag heute still erscheinen, doch vergiss nicht, dass er Träume in seinen Dünen birgt. Werde selbst ein Träumer, Finn.“ Gerade als sie verschwand, spürte Finn eine sanfte Brise, fast unmöglich in der dünnen Atmosphäre des Planeten. Doch dann erinnerte er sich daran, dass der Mars für seine Staubstürme bekannt ist, die den gesamten Planeten umhüllen können – ein weiteres Mysterium, das noch gelüftet werden muss.
Zurück in seiner Raumkapsel hielt Finn das Glasröhrchen fest in der Hand. Darin befand sich ein wenig von diesem außergewöhnlichen Sand, in dem die Geschichten des Mars lebten. Mit einem letzten Blick auf die rubinrote Landschaft versprach er sich selbst, eines Tages zurückzukommen, um die Geheimnisse des Planeten zu entschlüsseln, der einst Wasser getragen hatte und vielleicht ein winziges Flüstern in den dunklen, kalten Weiten des Alls zurückgelassen hatte.
"Mit den Augen der Fantasie entdecken Kinder die Wunder, in denen die Welt verborgen liegt." – Eric Carle