Hallo! Mein Name ist Finja – Finja, die Baummarderin. Ich lebe in einem großen Wald mit hohen Fichten, krummen Birken und einer leisen, duftenden Moosdecke. Das ist mein Zuhause, mitten in den gemäßigten Wäldern Europas. Hier kenne ich jeden Ast und jede Wurzel, denn Klettern ist meine größte Stärke. Mit meinen scharfen Krallen und dem langen, flauschigen Schwanz komme ich fast überall hin. Tagsüber verstecke ich mich in meiner gut getarnten Baumhöhle. Wenn es dämmert und die Sterne glitzern, gehe ich auf Abenteuer – oder auf die Jagd. Diese Nacht sollte jedoch ganz anders werden als üblich. Es war Herbst, und der Mond leuchtete klar über den Baumwipfeln. Eine leichte Kälte zog in den Wald ein, das kündigte den Winter an. Aber ihr fragt euch bestimmt, warum diese Nacht so besonders war, oder? Nun, lasst mich erzählen.
Gerade als ich von meinem Aussichtspunkt in den alten Eichen hinuterblickte und überlegte, ob ich heute einen Frosch, ein paar Beeren oder vielleicht eine kleine Maus fangen sollte, hörte ich ein fremdes Geräusch. Es klang wie ein rhythmisches Klacken, begleitet von einem leisen Pfeifen. Neugierig und ein wenig vorsichtig kletterte ich vorsichtig auf den Boden herunter. Das Geräusch kam aus der Richtung des Waldrandes, dorthin, wo die Menschen oft wanderten. Aber nachts? Ungewöhnlich. Ich duckte mich, ließ meine Bewegungen so lautlos wie die eines fallenden Blattes werden und schlich näher. Und dann sah ich sie: eine Gruppe Waschbären! Sie hatten etwas, das sie im Kreis umtanzten, mit einer seltsamen Freude in ihren Augen.
Waschbären! So viele auf einmal hatte ich noch nie gesehen. Diese kleinen Schwarzmasken luden selten andere Tiere zu sich ein – und ich gehörte definitiv nicht zu ihren typischen Gästen. Doch meine Neugier war stärker als jede Vorsicht. Ich pirschte ein Stück weiter, knapp hinter einen Brombeerstrauch, und sah genauer hin. Die Waschbären hatten einen glänzenden Gegenstand zwischen ihnen liegen. Es war etwas, das nach Mensch roch, vielleicht eine alte Dose oder ein kleines Instrument. Ganz sicher war ich mir nicht. Sie klopften mit ihren Pfoten darauf und wippten dazu leicht im Takt. Musik aus Menschenhand, die plötzlich Teil des Waldes wurde – das hatte ich noch nie erlebt. Ich staunte, als einer der Waschbären anfing, leise zu summen, während die anderen weiter spielten. Irgendetwas an dieser unerwarteten Harmonie rührte mich. Es erinnerte mich an die Erzählungen meiner Mutter, die davon sprach, dass selbst hier, in unserem wilden Refugium, auch Freundschaften über das Übliche hinweg entstehen könnten.
Während ich ihnen zusah, hörte ich plötzlich ein weiteres Geräusch – diesmal aus einer anderen Richtung. Ein vertrautes, aber gefährliches Geräusch. Eulenflügel, kaum hörbar, wie ein sanfter Luftstoß. Uhu war unterwegs. Er war sicher auf der Jagd, denn auch die Eulen hatten es im Herbst nicht leicht, genügend Nahrung zu finden. Mein Bauch krampfte sich zusammen. Normalerweise hätte ich jetzt keinen Moment gezögert und den nächsten Baum angesteuert, aber die Waschbären bemerkten die Gefahr nicht. Sie waren zu vertieft in ihr seltsames Konzert. Was sollte ich tun? Mein Verstand sagte: rauf auf die nächste Fichte und weg! Aber mein Bauchgefühl sagte etwas anderes. Also tat ich etwas, das ich selbst kaum glauben konnte: Ich sprang aus meinem Versteck und stieß ein warnendes Pfeifen aus – viel höher, als ich normalerweise klingen würde. Die Waschbären stoppten abrupt.
„Uhu ist hier!“ rief ich ihnen zu, so laut ich mich traute. Mein Ruf hatte die gewünschte Wirkung. Ohne zu zögern zerstreuten sie sich in alle Richtungen. Ich rannte los, kletterte auf meinen Lieblingsbaum und zählte gedanklich bis zehn. Etwas rührte mich: Uhu kreiste kurz über der Lichtung und flog dann mit lautlosen Flügeln weiter. Die Waschbären und ich waren in Sicherheit. Erst einige Minuten später kehrte Ruhe in den Wald zurück. Ich überlegte, ob ich den Waschbären wohl heute Nacht nochmal begegnen würde. Sie ehrten Zusammenhalt auf ihre Weise – eine kleine Tradition, an die ich noch lange denken würde. Sie tanzten, um zu feiern, auch in Zeiten der Kälte und Dunkelheit – und genau das verband uns vielleicht in den Farben des Waldes: das Suchen nach Wärme in jeder Form.
| Name: | Baummarder |
| Wissenschaftlicher Name: | Martes martes |
| Gewicht: | ca. 0,8-1,8 kg |
| Maße: | ca. 45-58 cm, Schwanzlänge ca. 16-28 cm |
| Lebensalter: | ca. 10-15 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, insbesondere Misch- und Nadelwälder |
| Geschwindigkeit: | ca. 30 km/h |
Der Baummarder, auch als Edelmarder bekannt, gehört zur Familie der Marder (Mustelidae) und ist in Europa und Teilen Asiens verbreitet. Er ist ein geschickter Kletterer und lebt hauptsächlich in Wäldern, wo er sowohl in Bäumen als auch am Boden nach Nahrung sucht. Der Baummarder hat einen schlanken Körper, einen langen buschigen Schwanz und ein dichtes, glänzendes Fell, das in der Regel dunkelbraun bis schwarz ist.
Baummarder sind Allesfresser und ihre Ernährung variiert je nach Jahreszeit. Sie fressen kleine Säugetiere, Vögel, Insekten, Früchte und Beeren. Ihre Fähigkeit, sowohl am Boden als auch in den Bäumen zu jagen, macht sie zu vielseitigen und erfolgreichen Raubtieren. Baummarder sind bekannt für ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit, die ihnen helfen, Beute zu fangen und Raubtieren zu entkommen.
Der Baummarder baut seine Nester, auch als Kobel bezeichnet, in hohlen Bäumen oder verlassenen Vogelnestern. Diese Nester bieten Schutz und einen sicheren Platz zur Aufzucht der Jungen. Baummarder sind Einzelgänger und sehr territorial. Sie markieren ihr Revier mit Duftdrüsen, um andere Marder fernzuhalten. Trotz ihrer scheuen Natur spielen Baummarder eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie zur Kontrolle der Populationen kleiner Säugetiere und Insekten beitragen und zur Verbreitung von Samen durch ihre Ernährung beitragen.