Hallo, ich bin Baya, der lebhafteste Ara des gesamten Amazonas-Regenwaldes – zumindest finde ich das. Meine Federn glänzen in kräftigem Rot, Blau und Gelb, und manchmal denke ich, sie leuchten heller als die Sonnenstrahlen, die durchs Blätterdach fallen. Ich wohne hoch oben in einem Kapokbaum. Es ist mein Lieblingsplatz, denn von hier aus kann ich alles sehen: den gewundenen Fluss, der wie eine schimmernde Schlange durch den Wald gleitet, die Bromelien, aus denen Frösche schauen, und natürlich meine Freunde, die anderen Tiere. Aber mein absoluter Lieblingsausblick? Die endlosen Farben des Regenwaldes, die Farben, die in meinem Kopf immer zu Bildern werden. Ich bin nämlich ein Künstler! Na ja, auf meine eigene, araspezifische Art.
Heute war ein besonderer Tag. Ich war früh wach und flog, noch bevor die Sonne über den Horizont aufstieg, zu einer meiner geheimen Stellen – einer Lichtung, die von Blumen in allen Farben des Regenbogens umgeben ist. Dort ließ ich mich auf einem Ast nieder und öffnete vorsichtig meinen Schnabel, in dem ich ein paar weiche, angekaute Holzstücke trug. Mit einem zufriedenen „Kraa!“, das tief aus meinem Brustkorb kam, ließ ich mich nieder. Holzsplitter sind mein Lieblingswerkzeug. Mit ihnen ritze ich feine Linien in die Baumrinde, oftmals einfach nur zu meiner Freude, doch heute wollte ich etwas Besonderes schaffen. Die Sonne schien durch das Blätterdach in warmem Gold, und während ich lauschte, wie Tukane in der Ferne riefen, begann ich mein Werk.
Ich war ganz vertieft in meine Arbeit, als plötzlich Koko auftauchte. Koko ist ein Brüllaffe, der an Neugier kaum zu übertreffen ist. „Baya! Schon wieder bei deiner Kunst?“, fragte er, während er von Ast zu Ast sprang. „Was wird es diesmal? Ein weiteres schnörkeliges Blatt, oder vielleicht meine Brüller-Geheimwaffe?“ – „Wart’s ab, Koko“, antwortete ich grinsend, ohne ihn anzusehen. Ich wollte meine Skizze nicht vorzeitig verraten. Die Arbeit an der Baumrinde war knifflig, aber auch wahnsinnig spannend. Ich konzentrierte mich auf die feinen Details – den Schwung eines Lianenzweigs, die kleinen Zacken eines Bromelienblatts. Es fühlte sich an, als würde ich den Regenwald in meiner eigenen Sprache erzählen.
Plötzlich hörte ich das Knistern von Blättern. Ich hielt inne und sah mich um. Alle Geräusche des Regenwaldes klangen aufgeregt, als ob eine Warnung durch die Bäume hallte. „Oho, da kommt der alte Haro“, flüsterte Koko. Haro war ein Harpyienadler, einer der majestätischsten und auch furchteinflößendsten Jäger in der Gegend. „Bleib besser ruhig, Baya“, murmelte Koko, während er sich eilig in die Dickichtkrone schwang. Ich verharrte regungslos auf meinem Ast. Haro war ein seltener, aber gefährlicher Zeitgenosse. Vor meiner Kunst hatte sogar er Respekt, hatte ich mir eingeredet. Doch insgeheim wusste ich, es war besser, ihm auszuweichen.
Langsam schritt die Aufregung im Wald zurück, und Haro entschwand tiefer zwischen den Bäumen. Mit einem erleichterten Seufzen widmete ich mich wieder meiner Arbeit. Als das Kunstwerk schließlich vollendet war, trat Koko aus seinem Versteck und betrachtete es aufmerksam: Ein kunstvolles Bild des Regenwaldes, akribisch geritzt. „Wow, Baya“, flüsterte er, „du hast es wirklich drauf. Das bist du – ein Künstler des Waldes.“ Innerlich lächelte ich stolz. Es ging nicht darum, perfekt zu sein. Es ging darum, den Regenwald mit meinen Augen zu sehen und das, was ich fühlte, auszudrücken. Das war mein Geschenk an die Welt, ein Geschenk, das auch Haro nicht schaden konnte.
An diesem Tag kehrte ich in mein Nest zurück und schaute noch lange in den erhabenen Dschungelhimmel. Die Sterne funkelten über den Bäumen wie kleine Glühkäfer. Ich dachte an das, was Koko gesagt hatte. Vielleicht bin ich wirklich ein besonderer Ara. Aber selbst wenn nicht, am wichtigsten ist, dass ich Spaß beim Schaffen habe – und irgendwann wird der Wald meine Geschichte erzählen.
Aras sind Meister der Nachahmung. Sie können die Stimmen von Menschen, andere Vogelgesänge und sogar Geräusche ihrer Umwelt täuschend echt imitieren – ein Beispiel für ihre erstaunliche Intelligenz und Anpassungsfähigkeit!
| Name: | Ara |
| Wissenschaftlicher Name: | Ara macao |
| Gewicht: | ca. 900-1200 g |
| Maße: | ca. 81-96 cm lang, Flügelspannweite ca. 90-100 cm |
| Lebensalter: | ca. 40-50 Jahre |
| Lebensraum: | Tropische Regenwälder, Savannen |
| Geschwindigkeit: | ca. 35-40 km/h |
Aras sind farbenprächtige Papageien, die in den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas heimisch sind. Sie sind bekannt für ihr lebhaftes Gefieder, das in strahlenden Farben wie Blau, Rot, Grün und Gelb leuchtet. Es gibt mehrere Arten von Aras, darunter der Blaue Ara, der Gelbbrustara und der Scharlachara, die sich in Größe und Färbung unterscheiden.
Aras sind intelligente und soziale Vögel, die oft in Paaren oder kleinen Gruppen leben. Sie sind geschickte Kletterer und nutzen ihre kräftigen Schnäbel, um sich an Ästen festzuhalten und Nüsse und Früchte zu knacken, die den Hauptbestandteil ihrer Nahrung ausmachen. Aras haben auch die Fähigkeit, menschliche Stimmen und andere Geräusche zu imitieren, was sie zu beliebten Haustieren macht, obwohl sie viel Platz und Beschäftigung benötigen.
In der Natur nisten Aras in Baumhöhlen oder an Felswänden. Das Weibchen legt normalerweise zwei bis drei Eier, die es etwa 24 bis 28 Tage lang bebrütet. Beide Elternteile kümmern sich um die Jungen, bis diese flügge werden. Leider sind viele Ara-Arten durch Lebensraumverlust und illegalen Handel bedroht. Der Schutz ihrer natürlichen Lebensräume und die Bekämpfung des illegalen Handels sind entscheidend, um das Überleben dieser beeindruckenden und wunderschönen Vögel zu sichern.