Ich heiße Flitz und bin eine Waldmaus. Genauer gesagt, Apodemus sylvaticus, falls du's wissen willst. Meine Familie sagt immer, ich sei schneller als der Wind, aber heute Nacht fühl ich mich gar nicht so. Der Mond hängt wie ein silbernes Lächeln am Himmel, und der Herbstwald schläft fast lautlos. Nur meine kleinen Pfötchen und das Rascheln unter mir verraten, dass hier jemand unterwegs ist. Aber trotzdem – da drüben, in der Nähe der alten Eiche, wartet der Schatz meines Lebens: eine leuchtend rote Hagebutte. Ich hab sie gestern im Vorbeihuschen entdeckt. Der Duft war so lecker, dass mir das Wasser in die Schnauze lief. Aber jetzt flüstert etwas in meinem Kopf, dass zwischen mir und dieser Hagebutte der Schatten von Gefahren liegt. Und trotzdem: Ich muss diese Hagebutte kriegen.
Mit kleinen Hüpfern taste ich mich vor, bleibe immer mal wieder stehen und schnuppere in die Luft. Nichts. Nur der Geruch von feuchtem Moos und Pilzen, ein bisschen Herbstlaub. Plötzlich zucke ich zusammen – ein Schatten gleitet über den Mondscheinteppich vor mir. Ist es der Waldkauz? Mein Herz klopft so laut, dass ich Angst habe, er hört es. Aber ich bleibe still wie ein Baumstamm. Nach einer endlos langen Minute schlüpfe ich in ein Büschel Brombeerzweige. Gut, dass meine Pelzfarbe so perfekt zur Erde passt – ein Vorteil, wenn man klein ist. Puh, der Schatten ist verschwunden. Aber die Hagebutte rückt immer näher, rot und rund wie eine kleine Sonne. Sie wartet da drüben, genau unter einem Fleck Efeu. "Du schaffst das, Flitz", flüstere ich mir zu. Und plötzlich erinnere ich mich: Mut fühlt sich manchmal an wie Zittern, aber Zittern kann dich nicht stoppen.
Jetzt springe ich aus dem Brombeerbusch, meinen dünnen Schwanz halte ich flach wie ein Seil hinter mir. Der Wald wirkt immer stiller, je näher ich komme. Doch dann höre ich ihn – das Klacken eines Schnabels. Das ist definitiv der Waldkauz! Oder vielleicht eine Eule? Panik steigt in mir hoch wie ein Wildbach. Aber zurückgehen? Niemals! Meine Augen finden einen winzigen Gang zwischen Grashalmen und halbverotteten Blättern. Ich husche hinein, ducke mich tief und warte vollem Zittern ab. Meine Ohren bewegen sich hin und her. Ein paar Sekunden herrscht Stille, dann höre ich das sonore Rufen des Waldkauzes in der Ferne. Los, Flitz, Nachrichtenpost: Weg ist der Feind! Ich krabble weiter in Richtung Hagebuttenschatz. Der Wald sieht hier fast freundlich aus, irgendwie dichter und sicherer, wie ein grünes Labyrinth voller Geheimnisse.
Meine Schnauze berührt etwas Kaltes – die stachelige Haut der Hagebutte! Endlich habe ich es geschafft. Ich zerbeiße sie vorsichtig und atme ihren süß-herben Duft ein. Als ich einen winzigen Bissen nehme, läuft die köstlich-fruchtige Nektarflüssigkeit wie ein Festtagsmahl über meine Zähne. Doch dann höre ich ein Rascheln hinter mir und ersticke fast an dem kleinen Stück Hagebutte. Aus den Schatten löst sich eine Gestalt und kommt näher. Doch es ist kein Raubtier – es ist meine ältere Schwester Sprenn, die immer so neugierig wie ein Spatz ist. "Flitz! Man, wo warst du? Ich hab's gerochen, diese krasse Hagebutte. Aber ich dachte, du bist verloren!" Zusammen knabbern wir an der Hagebutte, und ein Stein fällt mir vom Herzen. Vielleicht muss man Mut haben, ja, aber manchmal braucht man auch jemanden, der mutig mit einem ist.
| Name: | Waldmaus |
| Wissenschaftlicher Name: | Apodemus sylvaticus |
| Gewicht: | ca. 15-35 g |
| Maße: | ca. 8-10 cm, Schwanzlänge ca. 7-9 cm |
| Lebensalter: | ca. 1-2 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Wiesen, Gärten |
| Geschwindigkeit: | ca. 13 km/h |
Die Waldmaus ist ein kleines Nagetier, das in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet ist. Sie bevorzugt bewaldete Gebiete, kann aber auch in Gärten, Hecken und Feldern vorkommen. Die Waldmaus ist für ihre großen Augen und Ohren sowie ihren langen Schwanz bekannt, der fast die gleiche Länge wie ihr Körper erreicht. Ihre Fellfarbe variiert von rötlich-braun bis grau-braun, wobei der Bauch heller ist.
Waldmäuse sind nachtaktiv und nutzen ihre großen Augen und Ohren, um sich in der Dunkelheit zu orientieren und nach Nahrung zu suchen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, Nüssen, Beeren und Insekten. Im Herbst sammeln und speichern sie Nahrung, um sich auf den Winter vorzubereiten. Ihre Vorratslager befinden sich oft in unterirdischen Bauen, die sie selbst graben, oder in natürlichen Verstecken wie Baumhöhlen und Wurzeln.
Die Waldmaus spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie als Beute für viele Raubtiere dient, darunter Eulen, Füchse und Schlangen. Gleichzeitig trägt sie zur Verbreitung von Samen und zur Belüftung des Bodens bei, indem sie gräbt und ihre Nahrungsvorräte anlegt. Trotz ihrer scheuen Natur und der Tatsache, dass sie oft unbemerkt bleibt, ist die Waldmaus ein wesentliches Glied in der Nahrungskette und der Waldökologie.