Wenn du mich fragst, dann gibt es nichts Schöneres, als die kühle Erde unter den Pfoten zu spüren, während der weiche Mondschein durch die Zweige der alten Eichen bricht. Ich heiße Baldur und lebe in einem weit verzweigten Bau mitten in unserem Wald. Mein Zuhause, das nennt ihr Menschen "Dachsburg". Es ist ein komfortables Geflecht aus Tunneln und Kammern, das ich über viele Vollmonde hinweg mit meiner Familie gegraben habe. Hier drinnen ist es immer angenehm kühl, im Sommer wie im Winter, und sicher vor neugierigen Füchsen oder gar dem Luchs, den ich manchmal schleichen sehe, wenn die Nacht besonders still ist. Aber heute Abend, das spüre ich in den Barthaaren, wird ein richtig spannendes Abenteuer beginnen.
Kaum bin ich durch den Hauptausgang meiner Dachsburg geschlüpft – einem schmalen Tunnel, der ins Unterholz mündet –, da höre ich ein vertrautes Rascheln. Es ist Linus, der Igel. „Baldur!“, ruft er keuchend, „komm schnell! Ein Sturm hat die große Hainbuche im Westen gefällt, und der Garten des Waldkauzes ist eine einzige Spielwiese!“ Die große Hainbuche? Wie schade. Dort haben wir in den vergangenen Jahren viele Nachtfalter gejagt und wilde Rennen veranstaltet. Aber gleichzeitig weckt Linus' Neuigkeit auch meine Neugier. Stürme sind schließlich keine Seltenheit in unserem Wald, vor allem im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und der Wind plötzlich an Kraft gewinnt. Doch jede Veränderung im Wald bedeutet neue Entdeckungen! So machen wir uns zusammen auf den Weg, Linus schnaufend hinter mir, seine kleinen Beinchen flitzen förmlich über den Waldboden.
Unterwegs durchqueren wir die Wiese, die jetzt, nach dem Regen, von kleinen Insekten wimmelt. Ein Festmahl! Aber heute will ich mich nicht lange damit aufhalten. Einmal ertappe ich einen Mäusebussard hoch oben auf einem Ast, wie er uns wachsam beobachtet. Will er Linus schnappen? Ich mache einen Satz zur Seite, plustere mich auf und scharre mit den Pfoten laut auf dem Boden. Der Mäusebussard zieht ab, für heute zumindest. Linus verstaut sich sicherheitshalber unter einem kleinen Brombeerbusch, bis die Luft rein ist. „Du bist ein echter Held, Baldur“, piepst er, und ein warmes Gefühl durchströmt mich. Doch ein echter Dachs weiß, dass Wachsamkeit immer das Wichtigste ist – und ein bisschen Glück gehört wohl auch dazu.
Als wir schließlich an der umgestürzten Hainbuche im Westen ankommen, traue ich meinen Augen kaum. Die dichten Äste und Wurzeln wirken nun wie ein großer, verwunschener Spielplatz. Im Wurzelwerk haben sich feuchte Erdlöcher geöffnet, und das Wasser der letzten Regenfälle hat hier und da kleine, glitzernde Pfützen gebildet. Schon hüpfen mehrere Frösche umher und scheinen wie wir begeistert von dieser neuen Welt. Und dort oben, auf einem der mächtigen Äste, sitzt tatsächlich der Waldkauz! Linus und ich wagen uns vorsichtig näher, springen von Ast zu Ast, immer darauf bedacht, nicht unseren Halt zu verlieren. Der Mond über uns leuchtet so hell, dass die Schatten der Blätter auf dem Waldboden tanzen. Was für ein zauberhafter Ort – und was für ein tolles Nachtspiel das hier wird!
Die Stunden vergehen wie im Flug. Wir jagen vorwitzigen Käfern hinterher, die plötzlich aus den kleinen Tümpeln auftauchen, und stoßen auf verborgene Erdschätze, die die Hainbuche noch vor kurzem sicher im Boden gehalten hat. Doch irgendwann meldet sich die Müdigkeit. Linus schläft schon unter einer losen Wurzel, und auch ich merke, dass ich mich nach der Sicherheit meiner gemütlichen Dachsburg sehne. Der Weg zurück durch den vertrauten Wald ist voller zufriedener Stille, nur ab und zu knackt ein Ast unter meinen Pfoten. „Bis morgen, Baldur“, murmelt Linus, bevor er in seiner Laubhütte verschwindet. Ich krabble zurück in meinen Bau und rolle mich in der kühlen Erde zusammen, während ich von unserem nächsten nächtlichen Abenteuer träume.
| Name: | Dachs |
| Wissenschaftlicher Name: | Meles meles |
| Gewicht: | 7-14 kg |
| Maße: | 65-90 cm Länge |
| Lebensalter: | Bis 15 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Wiesen |
| Geschwindigkeit: | 25 km/h |
Der Dachs ist ein kräftiges, nachtaktives Tier, das in Europa, Asien und Nordamerika lebt. Mit seinem stämmigen Körper, den kurzen Beinen und dem charakteristischen schwarz-weißen Streifenmuster auf dem Gesicht ist der Dachs leicht zu erkennen. Er gehört zur Familie der Marder und ist für seine Fähigkeit bekannt, komplexe unterirdische Bauten zu graben.
Dachse leben in großen Bauen, die sie selbst graben und die über viele Jahre genutzt und erweitert werden. Diese Bauten, auch Setze genannt, bestehen aus einem Labyrinth von Tunneln und Kammern, die ihnen Schutz und einen sicheren Ort zur Aufzucht ihrer Jungen bieten. Dachse sind Allesfresser und ernähren sich von Würmern, Insekten, kleinen Säugetieren, Früchten und Pflanzen. Ihre starke Schnauze und ihre kräftigen Krallen machen sie zu geschickten Grabern, die ihre Nahrung oft im Boden finden.
Im sozialen Leben der Dachse spielen Familiengruppen, auch Klans genannt, eine wichtige Rolle. Diese Gruppen bestehen aus mehreren erwachsenen Tieren und ihren Jungen, die gemeinsam in einem Bau leben. Dachse sind sehr reinlich und halten ihre Setze sauber, indem sie spezielle Latrinen anlegen. Sie kommunizieren durch verschiedene Laute und Duftmarkierungen. Trotz ihrer scheuen und zurückgezogenen Natur sind Dachse wichtige Tiere in ihrem Ökosystem, da sie zur Kontrolle von Insekten- und Nagetierpopulationen beitragen und durch ihre Grabaktivitäten den Boden belüften.