Es war einer dieser perfekten Sommermorgen, als der Nebel über den kahlen Hügeln lag und die ersten Sonnenstrahlen vorsichtig durch die Tannenspitzen krochen. Ich, Salma, eine stolze Kreuzotterdame mit schwarzgrauem Zickzack-Muster, lag auf meinem Lieblingsstein am Waldrand. Dieser Stein war flach, warm und lag genau dort, wo die Sonne ihren ersten Gruß über die Felder schickte. Hier begann fast jeder meiner Tage, denn Wärme ist unser Lebenselixier. Ohne sie würde ich mich nur schwer bewegen können – geschweige denn ein Abenteuer erleben.
Während ich meinen Körper langsam auf Temperatur brachte, hörte ich plötzlich ein Rascheln im Laub. Mein Kopf schnellte aufgeregt in die Richtung des Geräuschs – ich wusste, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Beute oder Gefahr. „Salma!“, rief plötzlich eine helle Stimme, die zu keiner Maus und keinem Hasen passte. Es war Kamilo, ein junger Buntspecht, der sich seit Kurzem für alles Mögliche interessierte und ständig Fragen stellte. „Keine Zeit für Geplauder, Kamilo“, zischte ich leise, doch er flatterte unbeeindruckt auf einen mageren Ast in meiner Nähe. Der Kleine wollte mir unbedingt von einer Eule erzählen, die er weiter oben am Waldrand gesehen hatte. Eine Eule – das bedeutete akute Gefahr!
Wir Kreuzottern müssen ständig auf der Hut sein. Eulen, Bussarde und auch Füchse zählen zu unseren größten Feinden. Dennoch blieb mir immer Zeit, einem Freund wie Kamilo zuzuhören – zumindest mit einem halben Ohr. Denn Familie und Freunde, das hatte ich schon früh gelernt, waren das Wichtigste in unserer Welt. Als Kamilo aber weiter von der Eule berichtete, dämmerte mir, dass ich nicht die Einzige war, die vorsichtig sein musste: Meine jüngeren Geschwister, die noch unerfahren und etwas tapsig auf ihren Sonnenplätzen verweilten, lagen gefährlich offen für starke Fänge. Gerade wollte ich mich aufmachen, um sie zu warnen, da spürte ich, wie die Erde unter mir leicht bebte. Ein seltsames Gefühl kroch mir durch die Schuppen...
Der Grund war Ulf, ein massiger Wildschwein-Keiler, der auf seiner morgendlichen Futtersuche durch den Waldrand stapfte. Wildschweine sind keine direkten Feinde von uns Kreuzottern, aber ihre ungestüme Art, den Boden mit ihren Schnauzen umzugraben, ist eine permanente Störung unseres Alltags. „Vergiss die Eule nicht, Salma!“ Kamilo flatterte hektisch und verschwand weiter in Richtung Waldtiefe. Das war mein Weckruf: Ich schlängelte mich flink durch das hohe Gras, zwischen Heidekraut und kratzigen Brombeersträuchern, zurück zu meinen Geschwistern. Dort angekommen, fand ich sie – eng aneinandergekuschelt – in einem von mir entdeckten Mauseloch. Sie hatten meinen Geruchssinn instinktiv vertrauen können und sich in meiner Abwesenheit versteckt. Das war klug von ihnen.
Nachdem die Eule vorbeigezogen war, traf ich Kamilo wieder. Wir setzten uns gemeinsam in die Abendsonne, beobachteten die schillernden Libellen und die scheuen Rehe, die sich weiter weg an der Lichtung zeigten. Ich dachte über diesen Tag nach: Wie schnell hatte sich doch alles ändern können, und wie wichtig war es, immer aufmerksam zu bleiben – nicht nur für mich, sondern auch für alle, die mir am Herzen lagen. „Du bist wirklich mutig, weißt du das?“, fragte Kamilo plötzlich. Aber ich zuckte nur mit der Schwanzspitze. Für mich ging es nicht um Mut, sondern darum, für diejenigen da zu sein, die man ins Herz geschlossen hat.
| Name: | Kreuzotter |
| Wissenschaftlicher Name: | Vipera berus |
| Gewicht: | 50-180 g |
| Maße: | 60-90 cm Länge |
| Lebensalter: | Bis 15 Jahre |
| Lebensraum: | Moore, Wälder |
| Geschwindigkeit: | Langsam |
Die Kreuzotter (Vipera berus) ist eine giftige Schlange, die in Europa und Teilen Asiens verbreitet ist. Sie gehört zur Familie der Vipern und ist für ihre charakteristische Zickzack-Bänderung auf dem Rücken bekannt. Die Kreuzotter kann in der Farbe stark variieren, von grau und braun bis schwarz. Sie erreicht normalerweise eine Länge von etwa 60 bis 90 Zentimetern.
Kreuzottern bewohnen eine Vielzahl von Lebensräumen, darunter Wälder, Moore, Heiden und Wiesen. Sie bevorzugen Gebiete mit viel Vegetation, wo sie sich verstecken und auf Beute lauern können. Ihre Ernährung besteht hauptsächlich aus kleinen Säugetieren, Vögeln, Eidechsen und Amphibien. Kreuzottern sind Lauerjäger, die ihre Beute durch einen Giftbiss töten, bevor sie sie verschlingen.
Die Kreuzotter ist im Frühjahr und Sommer aktiv und zieht sich im Herbst in Erdlöcher oder unter Steine zurück, um den Winter in einer Art Winterschlaf zu verbringen. Kreuzottern sind in der Regel scheu und greifen Menschen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Ihr Biss kann schmerzhaft sein und medizinische Hilfe erfordern, ist aber selten tödlich. Trotz ihres gefährlichen Rufs sind Kreuzottern wichtige Bestandteile des Ökosystems, da sie helfen, die Populationen von Nagetieren und anderen kleinen Tieren zu kontrollieren. Der Schutz ihrer Lebensräume ist wichtig, um ihre Bestände zu erhalten, da sie in einigen Gebieten durch Lebensraumverlust und menschliche Aktivitäten bedroht sind.