Mein Name ist Arin, und ich bin ein Mäusebussard – ein stolzes Wesen des Himmels, der offenen Felder und der dichten Wälder. Mein Heimatgebiet, diese weite Wildwiese, liegt am Rande eines dichten Laubwaldes, wo die Luft nach Moos und Erde duftet. Zwischen riesigen alten Buchen und kleinen Lichtungen strecken Disteln und Kornblumen ihre Blüten der Sonne entgegen. Es ist ein Ort, den wir Mäusebussarde lieben. Hier fliegen wir hoch oben in der thermischen Strömung, die von den Sonnenstrahlen gewärmt wird. Doch heute, während ich gemütlich über die Felder segle, fällt mir ein sonderbares Geräusch auf – ein leises, rhythmisches Klopfen, das klarer wird, je näher ich einer alten Eiche komme.
Neugierig gleite ich durch die Luft, meine breiten Flügel schneiden lautlos durch die Brise. Das Klopfen wird von einem melodischen Pfeifen begleitet – ein Klang, der nicht aus der Welt der Menschen stammt, sondern aus der unseren, der Welt der Tiere. Auf dem Stamm der großen Eiche entdecke ich schließlich Rotkehlchen Tilo. Er sitzt da, der leicht ergraute Veteran unter den Singvögeln, und beobachtet einen eifrigen Buntspecht, der in den Stamm hackt. "Arin, hörst du das?" ruft Tilo fröhlich und federspreizend. "Der junge Specht dort ist ein wahrer Musiker! Hör nur, wie regelmäßig er hämmert. Ich vermute, er hat einen besonders rhythmischen Flügelschlag im Blut." Tilos Worte bringen mich zum Schmunzeln. Musik, denke ich, ist nicht nur menschlich – sie ist überall, sogar hier mitten im Wald.
"Und was machst du heute, Arin?" fragt Tilo schließlich. "Die Mäuse jagen oder mal eine Pause von der Windströmung nehmen?" Ich erkläre ihm, dass ich auf der Suche nach einem besonders guten Aussichtspunkt bin. Es ist Jagdzeit, und mein Magen gibt mir unmissverständlich zu verstehen, dass es Zeit für eine Mahlzeit ist. Auf meinem Streifzug begegnen mir viele vertraute Gesichter. Ein Fuchs schleicht weiter unten am Waldrand entlang; ich halte sicherheitshalber genug Abstand. Ein Bussard wie ich steht bei ihm eher selten auf dem Speiseplan, aber Vorsicht ist bekanntlich besser als Nachsicht. Oben in den leichten Zweigen einer Birke sehe ich dann die Kohlmeise Mia, die mir von ihrem neuen Nistplatz erzählt. Sie fragt mich nach den besten Sonntags-Mäusen – ein Witz, den sie immer wieder macht. "Du und deine Mäusesnacks", lache ich. Dabei schweifen meine Gedanken zurück zu Tilos Bemerkung über den Specht. Vielleicht hat er recht – der Rhythmus der Natur in seiner eigenen Sprache ist auch eine Form der Kunst, und wir Tiere sind die Musiker.
Gegen Abend schwinge ich mich wieder in die Lüfte. Die untergehende Sonne wirft ihren orangegoldenen Schein auf die Wiese, die im sanften Wind tanzt. In der Ferne höre ich das Ächzen der Rufe eines anderen Bussards. Auch das gehört zu unserem Leben hier – eine Sprache so einzigartig wie der Rhythmus des Spechts. Während ich über das Land gleite und die letzten Sonnenstrahlen aufsauge, denke ich wieder daran, wie jeder von uns seinen eigenen Klang in der Welt hat. Manche, wie ich, finden ihn in den luftigen Strömungen. Andere, wie der Specht, finden ihn in den Nischen der alten Bäume. Die Natur selbst scheint eine unsichtbare Melodie zu spielen, für die wir alle nur Instrumente sind. Und dennoch verstehe ich sie, diese Melodie, weil ich ein Teil davon bin.
| Name: | Bussard |
| Wissenschaftlicher Name: | Buteo buteo |
| Gewicht: | 0,7-1,5 kg |
| Maße: | 70-150 cm Spannweite |
| Lebensalter: | Bis zu 20 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Felder und Gebirgsregionen |
| Geschwindigkeit: | Geschätzte Fluggeschwindigkeit 60-80 km/h |
Der Bussard ist ein beeindruckender Greifvogel, der in vielen unterschiedlichen Lebensräumen vorkommt. Mit einer Spannweite von bis zu 150 cm gleitet er majestätisch durch den Himmel und nutzt die Thermik, um fast lautlos und hoch in der Luft nach Beute Ausschau zu halten. Er ist in Wäldern, offenen Feldern und auch in Gebirgsregionen zu finden, wo er geschickt zwischen Höhen und Tiefen wechselt. Kinder lernen so, dass auch Tiere ihre Umwelt optimal nutzen, um zu überleben. Bussarde haben ein scharfes Sehvermögen, das es ihnen ermöglicht, auch aus großer Entfernung kleine Nagetiere, Reptilien oder Insekten zu erkennen. Ihre kraftvollen Flügel und schnellen Sturzflüge machen sie zu wahren Meistern des Himmels. Wissenschaftler schätzen sie als Indikatoren für ein gesundes Ökosystem, denn sie spielen eine wichtige Rolle in der Regulierung der Populationen kleinerer Tiere.