Es war ein kühler Herbstmorgen, als ich zum ersten Mal das große Laubmeer am Rand meines Baues sah. Oh, Verzeihung – ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt! Ich heiße Finja, und ich bin eine Waldmaus. Meine Familie lebt hier am Waldrand, wo die Wiesen enden und die dichten Buchen, Kiefern und Eichen beginnen. Der Boden ist weich und voller Blätter, die jetzt orange und braun leuchten. Ein herrlicher Ort, um Nahrung zu suchen. Heute wagte ich mich ein Stück weiter weg vom Bau als sonst, denn mein Vorratslager für den Winter war noch nicht voll genug, und ich hatte ein paar Haselnüsse im Auge, die am Boden des Waldes lagen. Doch wie ihr euch denken könnt, blieb mein kleiner Ausflug nicht so ruhig, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich balancierte gerade vorsichtig auf einem alten, moosbedeckten Ast, als ich eine verdächtige Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnahm. Mein Herz klopfte heftig – war das etwa unser Häher? Sein strenger Blick und das blaue Federkleid schienen durch die Baumkronen zu blitzen. Noch bevor ich nachdenken konnte, duckte ich mich in die nächste Laubmulde. Sicher ist sicher! Waldmäuse wie ich müssen immer wachsam sein, denn Räuber wie der Eichelhäher, Wiesel oder gar die flinke Waldkatze könnten unser Leben in Sekunden gefährden. Im dichten Laub lag ich nun reglos, bis der Häher schimpfend weiterflog. Puh! Aber gerade als ich durchatmete, hörte ich ein leises Quieken.
Zunächst dachte ich, es wäre nur der Wind, der durch die Blätter huschte. Doch nein, da war es wieder, dieses schwache Geräusch – ein leises, vielleicht sogar verzweifeltes Piepsen. Ich folgte dem Ton vorsichtig und entdeckte ein kleines Eichhörnchen, das unglücklich auf dem Boden saß. Der kleine Kerl wirkte aufgeregt, sträubte seinen buschigen Schwanz und sah hilfesuchend umher. „Was machst du denn hier?“ fragte ich neugierig, wohlwissend, dass ich ihm vielleicht helfen könnte. Er stellte sich als Rudi vor und berichtete, dass sein Nussversteck zerstört worden sei. „Ein Dachs hat es ausgebuddelt, und jetzt habe ich gar nichts mehr für den Winter!“, jammerte er. Wir Waldtiere wissen alle, wie hart der Winter werden kann, und ich konnte nicht einfach wegsehen. „Komm mit“, sagte ich schließlich, „ich zeige dir ein paar Stellen, wo es noch Nüsse gibt.“
Zusammen durchquerten wir den Wald, und ich zeigte Rudi meine liebsten Futterplätze, wo unter den Blättern noch Bucheckern und kleine Eicheln lagen. Natürlich nahm ich selbst nur so viel mit, wie ich tragen konnte – schließlich muss auch ich für den Winter vorsorgen. Trotzdem war es ein gutes Gefühl, Rudi zu helfen. Wir arbeiteten Hand in Hand – oder eher Pfote in Pfote – und sammelten gemeinsam alles ein, was wir finden konnten. Währenddessen erzählte er mir lustige Geschichten von seinen waghalsigen Sprüngen durch die Baumkronen. Ich kicherte leise, denn für uns Waldmäuse ist Klettern eine viel größere Herausforderung als für ein Eichhörnchen. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns, und Rudi bedankte sich mehrmals überschwänglich. Ich war ein bisschen stolz, dass ich jemandem in Not helfen konnte. Schon bald wurde es dämmrig, und ich machte mich auf den Heimweg zu meinem Bau.
Als ich schließlich wieder in meinem kuscheligen Bau ankam, war ich erschöpft, aber glücklich. Meine Vorratskammer hatte ich an diesem Tag zwar nicht so sehr gefüllt, wie ich es mir vorgenommen hatte, aber irgendwie war das nicht so wichtig. Schließlich hatte ich etwas getan, das noch mehr zählt: Jemandem geholfen, der Hilfe brauchte. Und wer weiß – vielleicht könnte Rudi mir eines Tages ebenfalls helfen. So ist unser Leben im Wald, voller Gefahren, aber auch voller Freundschaften, die man nicht vergisst. Während ich mich in mein weiches Nest kuschelte, hörte ich draußen das sanfte Rauschen der Blätter und das entfernte Krächzen des Häher. Ich lächelte. Der Wald ist voller Abenteuer – und morgen würde ein neuer spannender Tag beginnen.
| Name: | Waldmaus |
| Wissenschaftlicher Name: | Apodemus sylvaticus |
| Gewicht: | ca. 15-35 g |
| Maße: | ca. 8-10 cm, Schwanzlänge ca. 7-9 cm |
| Lebensalter: | ca. 1-2 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Wiesen, Gärten |
| Geschwindigkeit: | ca. 13 km/h |
Die Waldmaus ist ein kleines Nagetier, das in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet ist. Sie bevorzugt bewaldete Gebiete, kann aber auch in Gärten, Hecken und Feldern vorkommen. Die Waldmaus ist für ihre großen Augen und Ohren sowie ihren langen Schwanz bekannt, der fast die gleiche Länge wie ihr Körper erreicht. Ihre Fellfarbe variiert von rötlich-braun bis grau-braun, wobei der Bauch heller ist.
Waldmäuse sind nachtaktiv und nutzen ihre großen Augen und Ohren, um sich in der Dunkelheit zu orientieren und nach Nahrung zu suchen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, Nüssen, Beeren und Insekten. Im Herbst sammeln und speichern sie Nahrung, um sich auf den Winter vorzubereiten. Ihre Vorratslager befinden sich oft in unterirdischen Bauen, die sie selbst graben, oder in natürlichen Verstecken wie Baumhöhlen und Wurzeln.
Die Waldmaus spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie als Beute für viele Raubtiere dient, darunter Eulen, Füchse und Schlangen. Gleichzeitig trägt sie zur Verbreitung von Samen und zur Belüftung des Bodens bei, indem sie gräbt und ihre Nahrungsvorräte anlegt. Trotz ihrer scheuen Natur und der Tatsache, dass sie oft unbemerkt bleibt, ist die Waldmaus ein wesentliches Glied in der Nahrungskette und der Waldökologie.