Ich heiße Malto, und ich bin ein Baummarder. Mein Fell ist goldbraun, genau die Farbe des Waldbodens nach einem Regenschauer im Herbst. Das ist praktisch, denn im dichten Wald, wo ich zu Hause bin, hilft mir das, mich zu verstecken. Mein Zuhause ist ein alter, majestätischer Mischwald mit mächtigen Eichen und schlanken Buchen. Ich wohne in einem verlassenen Spechtbau hoch oben in einem Baum. Es ist besonders gemütlich, weil der Specht ein wahrer Künstler war — seine Höhle hat ein perfektes rundes Loch, durch das ich immer hinein- und hinausschlüpfe. Von hier oben habe ich eine gute Aussicht auf mein Revier und eine nahezu unendliche Vorratskammer an Leckereien wie Mäusen, Vögeln und Beeren.
Heute Morgen erwachte ich durch ein ganz seltsames Geräusch, das aus Richtung der großen Felsen am Bach kam. Es klang wie ein Flüstern, fast wie das Rascheln der Blätter, aber irgendwie anders. „Hier“, schien es zu sagen. „Hier liegt etwas Besonderes.“ Mit meiner neugierigen Nase und meinen leisen Pfoten machte ich mich auf den Weg. Der Bach im Wald war gerade schillernd klar, wie immer nach der Schneeschmelze. Die ersten zarten Blumen reckten ihre Köpfe durch das Moos, während das Wasser seine Lieder sang. Es war Frühling und der Wald war lebendig, genau so, wie ich es mochte. Ich ahnte nicht, dass das Rätsel des Geräusches mein Leben verändern würde.
Nicht weit von den Felsen fand ich eine ungewöhnliche Spur auf der weich matschigen Erde. Sie war viel zu groß für die üblichen Waldbewohner wie Rotkehlchen oder Mäuse. Plötzlich erinnerte ich mich an ein Gespräch, das ich vor Wochen mit der schlauen Eule Trinnda geführt hatte. Sie hatte mir von einem Wanderer erzählt — einem Luchs, der manchmal in den späten Abendstunden durch unseren Wald schlich. Die Spur, dachte ich, könnte zu diesem gefährlichen Raubtier gehören. Mein Herz klopfte schneller. Ein Luchs war für mich nicht nur ein Konkurrent um Nahrung, sondern auch eine echte Gefahr. Malto, sagte ich mir, sei vorsichtig.
Meine Entschlossenheit siegte über die Angst, und ich folgte der Spur weiter. Die Felsen ragten wie riesige graue Wächter aus dem Waldboden. Als ich sie erreichte, spürte ich, dass das Flüstern wirklich existierte, dass ein Geheimnis in der Luft lag. Die Wärme der Sonne auf den Felsen hatte etwas Beruhigendes, und die kleinen Eidechsen, die sich darauf sonnten, beachteten mich kaum. Ich kletterte auf einen der Felsen, schlang den Schwanz um mich und wartete. Langsam dämmerte es. Der Wald färbte sich golden, und das Flüstern wurde lauter. Dieses Rätsel musste ich lösen.
Plötzlich bewegte sich etwas unter mir. Dort, in einer kleinen Spalte zwischen den Felsen, blitzte es silbern. Vorsichtig kroch ich näher und entdeckte einen verborgenen Bach, der durch die Ritzen floss und kleine, glänzende Steine mit sich trug. Aber das Seltsamste war ein Bogen aus verästeltem Holz, der über diesen kleinen Bach gespannt war. Es war ein Nest, vielleicht von einer Eichhörnchenfamilie, zusammengebaut mit Ästen, die im Mondlicht glitzerten. Doch hier war niemand mehr — das Nest war verlassen. Ich fragte mich, ob der Luchs mit diesem verlassenen Nest etwas zu tun hatte und ob diese Tiere geflüchtet waren. Weitere Spuren zeigten, dass das Tier kürzlich hier gewesen war. „Malto“, flüsterte ich zu mir selbst. „Du musst Trinnda berichten, was du gefunden hast.“
Während ich zurück in mein Spechtbaum-Zuhause kletterte, begann mein Kopf voller Fragen zu schwirren. Ob das glitzernde Nest eine Bedeutung hatte oder es einfach ein Werk der Waldgeister war? Und was würden die anderen Tiere dazu sagen? Mir wurde klar, dass ich meinen Wald besser kennenlernen musste. Jede Jahreszeit, dachte ich, hatte ihr eigenes Geheimnis, das darauf wartete, entdeckt zu werden. Als Baummarder war ich zwar nur klein, aber mutig – und Geheimnisse wie diese machten das Leben spannender. Diesen Frühling würde ich keine ruhige Minute haben.
| Name: | Baummarder |
| Wissenschaftlicher Name: | Martes martes |
| Gewicht: | ca. 0,8-1,8 kg |
| Maße: | ca. 45-58 cm, Schwanzlänge ca. 16-28 cm |
| Lebensalter: | ca. 10-15 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, insbesondere Misch- und Nadelwälder |
| Geschwindigkeit: | ca. 30 km/h |
Der Baummarder, auch als Edelmarder bekannt, gehört zur Familie der Marder (Mustelidae) und ist in Europa und Teilen Asiens verbreitet. Er ist ein geschickter Kletterer und lebt hauptsächlich in Wäldern, wo er sowohl in Bäumen als auch am Boden nach Nahrung sucht. Der Baummarder hat einen schlanken Körper, einen langen buschigen Schwanz und ein dichtes, glänzendes Fell, das in der Regel dunkelbraun bis schwarz ist.
Baummarder sind Allesfresser und ihre Ernährung variiert je nach Jahreszeit. Sie fressen kleine Säugetiere, Vögel, Insekten, Früchte und Beeren. Ihre Fähigkeit, sowohl am Boden als auch in den Bäumen zu jagen, macht sie zu vielseitigen und erfolgreichen Raubtieren. Baummarder sind bekannt für ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit, die ihnen helfen, Beute zu fangen und Raubtieren zu entkommen.
Der Baummarder baut seine Nester, auch als Kobel bezeichnet, in hohlen Bäumen oder verlassenen Vogelnestern. Diese Nester bieten Schutz und einen sicheren Platz zur Aufzucht der Jungen. Baummarder sind Einzelgänger und sehr territorial. Sie markieren ihr Revier mit Duftdrüsen, um andere Marder fernzuhalten. Trotz ihrer scheuen Natur spielen Baummarder eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie zur Kontrolle der Populationen kleiner Säugetiere und Insekten beitragen und zur Verbreitung von Samen durch ihre Ernährung beitragen.