Ich heiße Baldo und bin ein Europäischer Dachs. Mein Zuhause ist ein weit verzweigter Bau im dichten Laubwald. Tagsüber schlafe ich tief und fest, aber nachts, wenn alles still wird, erwacht mein Reich. Heute Abend habe ich beschlossen, meine Pfade zu erkunden – vielleicht finde ich ja etwas Köstliches. Mein dicker Bauch kribbelt schon vor Abenteuerlust.
Kaum schlüpfe ich aus meinem Bau, spüre ich die kühle Nachtluft. Die Blätter der Eichen und Buchen flüstern leise im Wind, und der Boden ist feucht vom Tau. Perfekt für Regenwürmer, denke ich mir. Ich schnuppere, meine Nase zuckt. Bald nehme ich ihren erdigen Duft wahr und beginne zu graben. Keine leichte Arbeit, aber für einen guten Snack lohnt sich die Mühe!
Doch schon höre ich ein Rascheln. Vorsichtig hebe ich meinen Kopf und bleibe starr stehen. Es ist Rika, die flinke Waldmaus. "Baldo, suchst du wieder deine Würmer?" fragt sie mit einem schelmischen Grinsen. Ich nicke. "Und was treibst du hier?" Darauf hin deutet sie auf die Buschbeeren zu ihrer Rechten. "Köstlicher Nachtisch," sagt sie. Vielleicht nehme ich auch ein paar für später.
Als ich weiterziehe, treffe ich meinen Freund Nilo, den Fuchs. Nilo wirkt nervös. "Baldo, pass auf, ich habe den Geruch vom Uhu gespürt. Der kreist heute Nacht überm Wald." Ich bleibe wachsam. Der Uhu jagt nicht oft Dachse, aber ein unachtsames Jungtier könnte gefährlich werden. Mit einem dankbaren Nicken verabschiede ich Nilo und beschleunige mein Tempo durch die dunkle Landschaft.
Am Bachrand finde ich endlich Zeit zum Verschnaufen. Hier glitzert das Wasser im Mondlicht, und ich schlürfe erfrischend kühle Tropfen. Die Libellen tanzen über der Oberfläche, und das Zirpen der Grillen begleitet die nächtliche Stille. Für einen Moment lausche ich nur den Geräuschen des Waldes. Es ist dieser magische Teil meiner Welt, der mich immer wieder fasziniert.
Auf dem Heimweg entdecke ich ein paar saftige Pilze zwischen den Baumwurzeln. Ich weiß, welche gut sind, Mama hat es mir gezeigt, als ich noch ein Jungtier war. Vorsichtig koste ich eine kleine Portion – ganz frisch! Dann schiebe ich den Rest für später in meinen Bau. Mein Abend war erfolgreich, und während ich mich in mein Nest kuschle, fühle ich mich zufrieden und satt.
| Name: | Dachs |
| Wissenschaftlicher Name: | Meles meles |
| Gewicht: | 7-14 kg |
| Maße: | 65-90 cm Länge |
| Lebensalter: | Bis 15 Jahre |
| Lebensraum: | Wälder, Wiesen |
| Geschwindigkeit: | 25 km/h |
Der Dachs ist ein kräftiges, nachtaktives Tier, das in Europa, Asien und Nordamerika lebt. Mit seinem stämmigen Körper, den kurzen Beinen und dem charakteristischen schwarz-weißen Streifenmuster auf dem Gesicht ist der Dachs leicht zu erkennen. Er gehört zur Familie der Marder und ist für seine Fähigkeit bekannt, komplexe unterirdische Bauten zu graben.
Dachse leben in großen Bauen, die sie selbst graben und die über viele Jahre genutzt und erweitert werden. Diese Bauten, auch Setze genannt, bestehen aus einem Labyrinth von Tunneln und Kammern, die ihnen Schutz und einen sicheren Ort zur Aufzucht ihrer Jungen bieten. Dachse sind Allesfresser und ernähren sich von Würmern, Insekten, kleinen Säugetieren, Früchten und Pflanzen. Ihre starke Schnauze und ihre kräftigen Krallen machen sie zu geschickten Grabern, die ihre Nahrung oft im Boden finden.
Im sozialen Leben der Dachse spielen Familiengruppen, auch Klans genannt, eine wichtige Rolle. Diese Gruppen bestehen aus mehreren erwachsenen Tieren und ihren Jungen, die gemeinsam in einem Bau leben. Dachse sind sehr reinlich und halten ihre Setze sauber, indem sie spezielle Latrinen anlegen. Sie kommunizieren durch verschiedene Laute und Duftmarkierungen. Trotz ihrer scheuen und zurückgezogenen Natur sind Dachse wichtige Tiere in ihrem Ökosystem, da sie zur Kontrolle von Insekten- und Nagetierpopulationen beitragen und durch ihre Grabaktivitäten den Boden belüften.