Mein Name ist Stella, und ich bin ein Seestern. Es ist ein regnerischer Morgen hier im Flachwasser, wo ich lebe. Der Ozean glitzert, obwohl die Wolken die Sonne verdeckt haben. Über mir schaukelt sanft eine Gorgonie, und winzige Garnelen huschen zwischen ihren Zweigen hindurch. Mein Zuhause, ein Stück Felsen in der Nähe eines Seegrassfeldes, sieht auf den ersten Blick still aus, aber es ist voller Leben. Ich hangle mich mit meinen Saugfüßchen voran und schiebe einen kleinen Algenrest von gestern zur Seite. Hunger habe ich noch keinen, aber bei meinem Tempo denkt man besser früh darüber nach, wo die nächste Mahlzeit wartet. Heute fühlt sich die Strömung irgendwie anders an – als ob etwas Interessantes passiert.
Es dauert nicht lange, bis meine Freundin Coral, ein frecher kleiner Einsiedlerkrebs, ihre Schale durch das Wasser zieht und sich zu mir gesellt. „Hast du gesehen, wie das Wasser gestern Abend plötzlich wärmer wurde?“, fragt sie. Ich erinnere mich daran, wie die Meeresströmung sanfter und irgendwie angenehmer geworden war. „Es könnte bedeuten, dass bald die ersten Jungpflanzen vom Seegras kommen“, sagt sie aufgeregt. Coral weiß alles über Pflanzen – naja, zumindest so viel, wie ein Einsiedlerkrebs eben wissen kann. „Das bedeutet auch, dass die Fische, die Algen knabbern, wiederkommen!“ Schon bei dem Gedanken an die quirligen Sandaale wird mir etwas mulmig. Sie sind harmlos, aber wenn sie in Scharen auftauchen, wird die Suche nach ruhigen Plätzen schwierig.
Während ich weiter über den Meeresboden wandere, sehe ich im glasklaren Wasser zwei Rochen, die gemeinsam ihre Runden ziehen. Einer von ihnen ist Ray, ein alter Bekannter. Er ist ein Zebrarochen, und seine Streifen sehen immer etwas verwaschen aus, wenn er durch den Sand pflügt. „Weißt du, was die Wellen heute bringen?“, rufe ich ihm zu. Ray schwebt näher und wirft einen langen Schatten über die Muscheln unter mir. „Der Sommer kommt“, erklärt er mit seiner tiefen Stimme. „Das spüre ich direkt in meinen Flossen. Die Strömungen bringen wärmeres Wasser, und die Fische wandern dazu passend. Schon bald wird es hier richtig voll.“ Ich seufze. Voll bedeutet einerseits mehr Nahrung, andererseits weniger Platz. Wir Seesterne mögen es, wenn jeder seinen Bereich hat.
Doch Ray hatte recht. Es vergehen nur wenige Stunden, bis überall um mich herum neue Gesichter auftauchen. Schwärme von Sardinen ziehen vorbei, und sogar die Seeanemonen scheinen lebhafter, als ob sie das Licht des Sommers herbeitanzen. Ich aber halte mich zwischen den Felsen zurück; die plötzliche Aktivität macht mich nervös. Coral hat sich in ihre Schale zurückgezogen, und auch Ray ist abgetaucht, wahrscheinlich auf Futtersuche. Unter meiner Lieblingsspalte finde ich ein kleines Stück Alge, perfekt für meinen nächsten Snack. Ich strecke meinen Magen – ja, Seesterne können das! – aus meinem Körper heraus, um es zu verdauen. Mit einem leisen „Plopp“ rollt weiter oben ein Seeigel von seinem Stein, aber der gehört sowieso zu den Einzelgängern.
Die Tage werden wärmer, und mit ihnen zeigt sich mehr Leben. Doch genau dieses Leben birgt auch Herausforderungen. Plötzlich entdecke ich Schatten, die sich schnell bewegen. Ein Trupp Möwen ist an der Oberfläche gelandet – das bedeutet nichts Gutes. Für uns Seesterne sind Möwen ein großes Problem. Sie klauen alles, was für sie erreichbar ist. Also ziehe ich mich tiefer in die Schatten zurück. Zum Glück bin ich von Natur aus gut getarnt. Meine orangefarbene Haut sieht auf diesem Felsen fast genauso aus wie die bunten Korallen daneben. Nach einer halben Stunde verschwinden die Möwen, und das Wasser wird wieder ruhig. Aber man lernt: Der Sommer bringt nicht nur neues Leben, sondern auch neue Gefahren.
Es ist Abend, als ich auf meinem kleinen Plateau liege und die Veränderung in der Strömung wieder spüre. Die Flut bringt neues Leben, neue Begegnungen und manchmal sogar kleine Herausforderungen. Das Meer ist voller Geheimnisse, und obwohl ich nicht der Schnellste bin, bin ich doch immer mittendrin. Die Gorgonie über mir raschelt im Wind der Strömung, und ich denke an morgen. Es wird ein weiterer Tag voller Abenteuer sein. Schon bald komme ich vielleicht einer neuen Geschichte auf die Spur – unter unserer endlosen, wunderbaren Wasserwelt.
| Name: | Seestern |
| Wissenschaftlicher Name: | Asteroidea |
| Gewicht: | 5 kg |
| Maße: | bis zu 80 cm |
| Lebensalter: | bis zu 34 Jahre |
| Lebensraum: | Europäische Meere (abgesehen vom Mittelmeer) sowie im Nordatlantik. |
| Geschwindigkeit: | - |
Seesterne, auch bekannt als Asteroidea, sind eine Klasse von Meerestieren, die zu den Stachelhäutern gehören. Diese ikonischen Meeresbewohner sind für ihre sternförmige Gestalt mit fünf oder mehr Armen bekannt. Seesterne sind in einer Vielzahl von Meeresumgebungen zu finden, von Gezeitentümpeln bis zu den Tiefen des Ozeans, und sie spielen eine wichtige Rolle in ihrem Ökosystem, insbesondere bei der Kontrolle der Population von Muscheln und anderen kleinen Meerestieren.
Seesterne ernähren sich durch einen einzigartigen Prozess: Sie stülpen ihren Magen aus ihrem Körper heraus, um ihre Beute zu verdauen, bevor sie ihn wieder einziehen. Sie haben die bemerkenswerte Fähigkeit, verlorene Arme zu regenerieren, was sie zu faszinierenden Studienobjekten für Wissenschaftler macht. Trotz ihrer Robustheit sind Seesterne durch die Veränderungen ihrer Lebensräume bedroht, darunter auch durch steigende Meerestemperaturen und Versauerung des Ozeans, die ihre Kalziumkarbonat-Skelette beeinträchtigen können.